| Author: | Friedrich Kröhnke | ![]() |
| Rights sold: | German | |
| Genre: | Novel | |
| Number of pages: | 180 | |
| Edition: | 1510 | |
| Editor: | ||
| Series: | ||
| ISBN: | 978-3-902497-91-8 | |
| ISSN: | ||
| Publishing company: | Jung und Jung, Salzburg | |
| The year of publishing: | 2011 | |
| Origin Country: | Austria | |
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Summary |
Reviews |
Sample text |
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Auszug aus: Nach Asmara! ER KOMMT ZUM BEISPIEL EINES MORGENS um sechs mit einer Maschine von Bangkok in Peking an. Es ist Januar und sehr kalt. An den Schaltern der Immigration sollen die Einreisenden einen Knopf drücken, den grünen, wenn ihnen der Schalterbeamte geschwind genug gearbeitet hat, den roten, wenn nicht. Vor der Flughafenhalle stehen Taxis. Frick steigt ein und sagt: „Tien An Men“, und als der Fahrer, vielleicht wegen falscher Intonation, ratlos bleibt: „Maudse Dong!“ Darauf zeigt der Fahrer vor Lachen seine schlechten Zähne und wiederholt: „Maudse Dong!“, und fährt los. Eine Trennwand aus Sperrholz ist zwischen Fahrgast und Fahrer, dadurch sieht Frick den Taxameter nicht, was ihn unruhig macht. Plattenbauten und Birken im Raureif. Frick meint, in Minsk zu sein. Am Tor des Himmlischen Friedens stellt er einen Moment lang Agnes in den Schnee und fotografiert sie und das farbige Bild Mao Tse Tungs und die böse äugenden Polizisten, ehe sie ihn daran hindern können. Sehr rot und kalt geht die Sonne auf, und die Kasse zur Verbotenen Stadt öffnet. Frick läuft im frühesten Morgen über vereiste rote Treppchen auf und ab durch die Verbotene Stadt. Um zehn ist er wieder am Flughafen und erbittet einen Fensterplatz, weil er die Wüste Gobi sehen will. „HABEN SIE EIN PAAR DOLLAR FÜR MICH?“ fragt ihn der Beamte, der in Rumänien seinen Pass zu stempeln hat. Der in Suvarnabhumi schaut auf das Passfoto und murmelt: „Sie sind so schön!...“ Der in Panama fragt, als Frick seine Absicht erklärt, mit dem Bus in die Stadt zu fahren: „Haben Sie eine Schusswaffe bei sich?“ ANFANGS HAT ER NOCH EINEN ERBONKEL. Dem Erbonkel, dem gegenüber er sich abwechselnd als jemand, der von Arbeitslosenhilfe lebt, oder als schlecht bezahlter Museumsführer darstellt, hat ein missgünstiger Vetter ein Foto zugesandt, das er ihm bei einem unerwünschten Besuch geklaut hat. Es zeigt Frick, wie er in Phnom Penh auf einem Elefanten reitet. Er war von der Uferpromenade hergekommen, vom Club der Journalisten, wo er nachmittags Kaffee und am frühen Abend, während die Sonne rot glühend jenseits des Mekong versank, Bier zu trinken und die Financial Times zu lesen pflegte. Für heute war es noch nicht soweit, es war erst Mittag, heißer Mittag, er trug einen ledernen Schlapphut mit einer gefälschten Markenbezeichnung. Da stand auf halbem Weg zu einem berühmten und besonders heiligen Tempel der Elefant und neben ihm hockte der Elefantentreiber oder Mahout und schlief. Frick weckte ihn, weil ihm plötzlich aufgefallen war, dass er, ohne es zu wissen, schon lange den Wunsch gehabt hatte, auf einem Elefanten zu reiten. Der Mann stank und wollte zwei Dollar. In seinen Verhandlungen sekundierte Frick ein plötzlich hinzutretender anderer Europäer, ein Spanier, der ihm auch anbot, ihn auf dem Dickhäuter zu fotografieren. Frick bestieg das Tier auf einer Leiter, die hinter einer Garküche hervorgeschleppt wurde. Oben saß er in einer Art Thron, und ein blitzäugiger junger Mann, nicht der riechende Eigner der Elefantin - es war eine Elefantenkuh - lenkte sie mit einem Stöckchen; er turnte auch, vor und neben und hinter Frick, auf dem Nacken seiner lebenden Sänfte umher. Der berühmte Tempel stand auf einem Hügel, und er ritt auf diesen Hügel zu und um ihn herum. So wie er da saß, hatte er auf Zeichnungen Gustav Gans gesehen, ja, er musste an Gustav Gans denken. Lediglich dies hatte ihm ja noch gefehlt, um Gustav Gans zu sein, der immer, man weiß nicht wie, einen Taler in seiner Tasche findet. Er ritt, leicht schwankend auf einem massigen, runzligen grauen Körper und so hoch oben, wie wenn er im Berliner Bus im Oberdeck ganz vorne Platz nimmt und hört, sieht und fühlt, wie der Bus die Baumzweige am Straßenrand streift. Frick hielt einen bunten Sonnenschirm aufgespannt. Tief unter ihm versuchten vergeblich die vor dem Tempel lauernden, von Landminen entstellten Bettler sich zu nähern, die dem Elefanten auf dem Rumpf ihrer Körper zuhüpften und mit Krücken zu ihm emporfuchtelten. Später trank Frick mit dem Spanier Coca Cola. "Sie müssen auch nach Spanien", sagte er, "und den Stierkampf sehen. Es ist das Größte... Es geht Ihnen nahe, es wühlt Sie auf. Wenn ein Spanier jemandem ein großes Kompliment machen will, wird er immer ´Torero´ sagen, darin schwingt alle nur denkbare Bewunderung mit. Torero!" Eines Tages schickte er das Foto. Es zeigte Frick unter dem riesigen Schirm auf dem Elefanten thronend. Und Fricks Vetter schickte es seinem Onkel, auf die Rückseite hatte er geschrieben: "Bedürftiger im Sinne des Arbeitslosenhilfegesetzes". JA, IHM BLEIBT IMMER DAS GEFÜHL, etwas schuldig geblieben zu sein, immer bleibt er was schuldig in der Welt, wo sie ihm gerade die Welt ist; Agnes ist da ratlos und kann auch nicht genügend ausgleichen und heimlich zum Opferstock trippeln und Geld hineinlegen. So wars auch in Japan. In Japan war er auch einmal. Obwohl in Japan doch alles so teuer ist! Aber er wohnt bei einem alten Freund aus Deutschland, der nun eine Stelle an der Universität von Kyoto hat. Japan hat Frick nicht viel gekostet. Und wie schön es ist! Es ist Herbst. Rotbrauner japanischer Indian Summer. Rolf bewohnt ein sozusagen papierenes japanisches Häuschen und Frick eins dieser mit Matten ausgelegten und nach Matten berechneten quadratischen Zimmer mit einer quadratischen Vertiefung unter dem Tisch in der Raummitte. Er sitzt, in den Hausschuhen, mit denen man das Klo nicht betreten darf, die Füße in der Vertiefung, und liest abends und morgens Schneeland von Kawabata, so ein schönes Buch! Vor acht ist er wach, um jeden Morgen den kurzbehosten Schüler draußen vorbeischlurfen zu sehen, der Fricks Gastgeber Rolf einmal angesprochen hat: "Wer sind Sie, schöner fremder Mann?" Dem Frick sagt er das nicht; aber er sieht ihn ja gar nicht, weiß ja gar nicht, dass da ein Mann mit dem Buch Schneeland in der einen und der Teetasse in der anderen Hand jeden Morgen in dem quadratischen Zimmer sitzt, die Füße in der quadratischen Vertiefung, und schaut, wie das Kind zur Schule schlurft. Frick war in Kyoto. In Osaka. In Kobe und in Nara. In Osaka isst er, wie alle die Büroangestellten, auf der Stadtparkbank sein Bento. Er sieht die Obdachlosen unter den Brücken wohnen, ja wohnen: mit all ihrem Mobiliar. In Nara so viele Tempel wie Schulklassen wie Rehe. Beim Hofzeremonienmeister in Kyoto beantragt er, den Vorschriften gemäß, den Kaiserpalast besichtigen zu dürfen. Und an einem regnerischen Spätnachmittag führt ihn Rolf an die seltsamste Stelle der Welt. Der Fuchstempel ist auf einem waldigen Hügel. Unter den tropfenden Bäumen stehen, treppauf gewundenen Wegs, in unregelmäßigen Abständen unzählige hölzerne rote Tempeltore, Torii, hintereinander im Wald, ein Labyrinth, ein Wald von roten Toren, den sie unter Regenschirmen durchschreiten. Er geht in die Kaufhäuser und in die Bäder. In eines der Onsen genannten, im Grünen gelegenen, meist mit Hotels verbundenen heißen Quellbäder, wo man, wie in Island - und er war auch in Island -, selbst in der Kälte im Freien im fast kochenden Wasser badet. Und in die heißen Reinigungsbäder in Stadthäusern, Sento genannt. Rolf hat eine japanische Frau, jung, zierlich und schön; versteht sich. Rolfs zierlicher schöner junger Frau ist Frick ein Ärgernis oder zum Mindesten eine täglich irritierendere Irritation. Sie schweigt in seiner Nähe, sie geht ihm aus dem Weg, sie geht aus dem Raum, wenn er ihn betritt, sie schlüpft in ihre Kloschühchen und verbirgt sich im Klo. Und eines Abends bricht alle seit zwei Wochen schweigend angesammelte Wut aus ihr heraus: "Ich kann ihn nicht mehr ertragen!" Es zeigt sich (sie schreit es), dass er den feststehenden Aufgaben eines Touristen nicht genügt. "Was macht er denn? Warum tut er nicht, was er zu tun hat?" "Aber er tut doch...", murmelt Rolf, peinlich berührt, "tut doch was..." "Er sitzt vormittags und abends im Zimmer und liest Schneeland! Er treibt sich im Nintendo-Kaufhaus herum. Er verbrüht sich im Sento." "Und?" fragt Frick. "Er tut seine Pflicht ja nicht! Hat er die Tempel besichtigt? Schließt er sich Gruppen an? Ist er auf Gruppenfotos?" Auch Frick ist fast bestürzt. Was man in seinem sogenannten Kulturkreis erwartet, mehr oder weniger erwartet, was einfach üblich ist und übrigens unschön, hier ist es gleichsam Vorschrift, und deren Nichteinhaltung verstört die schöne Frau seines Freundes zu Tränen. Auch ihren Mann später. Verstört zwischen den Welten und in seinem Dienstzimmer in der Universität der Kaiserstadt Kyoto sitzend, bespricht er sich mit Frick, weinend, er, er sei ein schlechter Gastgeber und hatte sich doch alles so schön gedacht. |
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