| Author: | A. Manitari | |
| Rights sold: | foreign rights available in all languages | |
| Genre: | Novella | |
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| Editor: | Book not published yet | |
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TEXTAUSZUG Zärtlich strichen ihre Hände über die karierte Decke, schoben die Falten bis zur Tischkante, fuhren diese entlang und kamen in ihrem Schoß zu liegen, bevor sie dort kurz verweilend ihr Sommerkleid zu ordnen begannen, um schließlich mit der Linken die Brille und mit der Rechten das Buch von der Bank aufzunehmen und vor sich hinzulegen. Ihr Blick suchte über den Tisch und die verwitterte Verandabrüstung, tastete sich anschließend über den Strandhafer, den Sand und die Uferlinie, die durch die Wellen vor und rück wanderte, bis zum Meer vor und verlor sich für Minuten am Horizont. Ihrem unbewegten Gesicht war die Herkunft der zwei kleinen Tränen nicht abzulesen, nur der tiefe Seufzer, das Schließen der Augen und das erneute Verlieren des Blicks in der Weite, die nun ruhigen, tiefen Atemzüge mit dem entspannten Ausdruck ließen erahnen, dass mehr stummes Glück und Bewegtheit als Gram oder Trauer der Anlass sein konnte. Sie erhob sich mit kleinem Ruck, einer Eingebung folgend, schlüpfte mit den Armen aus den Trägern und ließ das zuvor noch so sorgsam behandelte Kleid achtlos zu ihren Füßen fallen, um sich so entblößt wieder hinzusetzen. Ihr Blick fiel nun auf die alt gewordene Hand, deren kleine dunkle Flecken, die dünne, ja fast papierene Haut in leichter Bräune, die sich durchdrückenden Sehnen, die Fältchen der Fingerrücken bis zu ihren stets kurz geschnittenen Fingernägeln und den farblosen Nagelbetten. Er wanderte fort, staunend über die trockene Oberfläche der Unterarme, verfing sich kurz an der schlaff an der Oberarmunterseite befindlichen Haut, bevor er sich auf ihre weißen, herabhängenden Brüste hinab senkte, die sie nun zur genaueren Betrachtung mit der Hand anhob, so weit nach oben schob, dass sie auch die Unterseite betrachten konnte, und bald darauf sanft, fast liebevoll in ihre alte Form zurück gleiten ließ, ertastete die entleerten Bauchfalten, erfühlte ihr spärliches Schamhaar, bevor sie die Schenkel spreizte, deren Unterseite eine ähnlich hängende Faltung wie die Oberarme zeigte, und inspizierte anschließend durch Vorbeugen die groß gewordenen und weit vorlugenden Schamlippen. Ein Lächeln huschte in ihr Gesicht, zärtlich strich ihr Mittelfinger über die Ränder der Schmetterlingsflügel; ihre Hände dann auf den Tisch legend, mit weiterhin gespreizten Schenkeln hiwlt sie ihr Gesicht mit geschlossenen Augen glücklich in die matte Vormittagssonne, der wohltuenden Kühle des leichten Windes an ihrer Scham nachfühlend. Sie hatte es schon früh verstanden, Schönes zu bewahren, die Erinnerung daran immer wieder wach zu halten und entgegen sonstiger Gepflogenheiten, diese gefühlsstark neu durchleben zu können, eine nicht so häufig anzutreffende Gewohnheit, wie ihr die Verbitterung besonders über das Altern aber auch anderes negativ Kultivierte bei den Freunden zeigte. Die Finger suchten ihre Brustwarzen, umspielten sie liebkosend bei geschlossenen Augen, entrückt ließ sie diese sich ganz aufrichten, bevor sie die Hand zurück zur anderen legte, griff dann nochmals zur linken Brust, tastete sie ab, suchte und fand, umfingerte ein fünfmarkstückgroßes Areal, stippte nochmals die sich daraufhin rasch wieder aufrichtenden Brustwarzen an und legte die Hand zurück in ihren Schoß. So verharrte sie lange Zeit, nur ihre minimal wechselnde Mimik und die immer mal wieder schnell unter den geschlossenen Lidern hin und her huschenden Augen verrieten ihre innere Bewegtheit. Auch ein aufmerksamer Beobachter hätte in diesem Wechselspiel nicht zu erkennen vermocht, wie intensiv sie ihre Erinnerungen erlebte. Zwar auch die der Kindheit, die im Alter wieder so nahe rücken, als ob sich der Bogen schließen möchte, aber mehr die der Jugend, welche unbeschwert trotz schweren Zeiten im Land, für sie - die unbedarft in allem Politischen, vertrauensselig bei den Erwachsenen, offen für alles Neue, fürsorglich der alternden Oma und einzigen Bezugsperson wie den Tieren und Pflanzen des Hofs gegenüber. Nur den anderen Kindern misstraute sie damals, ihrer Häme und ihrem Spott, ihrer Härte und ihrer Rücksichtslosigkeit hatte sie anfangs nichts entgegenzusetzen und so blieb sie allein und zurückgezogen und doch nicht einsam, fand in der Lehrerin eine strenge Schulmeisterin, der ein entlaufenes Schaf keinen hinreichenden Grund für nicht erledigte Hausaufgaben lieferte, die ihr aber andererseits Bücher zu lesen gab, voller Entdeckungsreisen und Abenteuer. Ähnlich erging es ihr auch in den Anfängen der Gymnasialzeit im 12 km entfernten Städtchen, in das sie bei Wind und Wetter zur Schule radelte, denn auch dort zog sie ihre Klassenlehrerin an, wie auch umgekehrt, eine sanfte, Distanz wahrende und gerechte Frau, die sie aber eines Nachmittags, das musste in der Quinta gewesen sein, aufklärte, wie sie es noch heute jedem Menschen wünschte. Eine knappe Anordnung reichte, um sich eines Samstagnachmittags im Garten des Schulgebäudes, in dem diese alleinstehende Frau Lemnow, wie es der Brauch, auch wohnte, einzufinden und in zwei Stunden bei Tee und Kuchen fassungslos Liebesgedichten und Kurzgeschichten zu lauschen, gefolgt von erotischen Schilderungen über anschaulich beschreibende Erzählungen, die nichts Wesentliches wegließen, bis hin zur trockenen Anatomie, für diese Zeit ungewöhnlich detailreich und unbotmäßig, um über weitere Kurzgeschichten wieder bei Liebesgedichten zu enden. Diese sonst so kontrollierte, ja zuweilen trockene Frau hatte ihre Stimme und Vortragsweise in einer ihr bisher nicht gekannten Weise an Inhalt und Stil angepasst und moduliert, sodass sie nach Hause zurückgekehrt es fast als Schulaufgabe ansah, ihren Körper, als das Naheliegendste und Erreichbarste nun genauestens zu untersuchen, erkunden und auszuprobieren. In den Folgetagen, auf eine harmlose Nachfrage zu diesem Thema bei der Großmutter eine bitterböse Antwort einfangend, hatte sie die Systematik der Erkundung nun selbst und sprichwörtlich in die Hand genommen und nach der Entdeckung ihrer Erregbarkeit und auch der des ersten Höhepunktes, in Liebe mit sich selbst und rot-weiß karierter Umgebung, zunächst mittels Spiegel und Finger, später unter Hinzunahme des konisch geformten, glatten Setzlingsbohrers, gründlich gereinigt von der Gartenerde, einen Zugang zu sich selbst geschaffen. So hatte sie dann wegen der nicht zu erwartenden Erwiderung ihres Schwärmens für den jung vermählten und von ihr erwählten Bauingenieur den ihr doch sehr sympathischen und verwitweten Gemeindeschreiber für die darüber hinausgehende Erweiterung ihrer Erfahrungen auserwählt. Seine Schüchternheit tat ihrer Naivität gut, und so erfuhr sie nach Brechen seines Widerstands, indem sie sich einfach in seiner Amtsstube splitterfasernackt auszuziehen drohte, die Liebe in aller Rücksicht, Zärtlichkeit und später auch Leidenschaft. Welcher Engel sie vor früher Schwangerschaft geschützt hatte, trotz dreimaliger Liebe in der Woche und das über mehr als zwei Monate, blieb ungeklärt und eine glückliche Fügung; seine Beförderung mit Umzug in die Kreisstadt beendete die Liaison abrupt. Nun im aufgefrischten Wind doch etwas fröstelnd betrat sie, das aufgehobene Kleid mitnehmend, das angemietete Ferienhäuschen an der dänischen Nordseeküste, legte es über den nächsten der vier Küchenstühlchen und suchte sich aus den wenigen mitgebrachten, auf das Sofa ausgepackten und nur noch nicht einsortierten Kleidungsstücken einen Pullover hervor, entschied sich aber zugunsten einer knöpfbaren Jacke um und hängte sie sich über die Schultern. Wie bei der Ankunft am späten gestrigen Abend, inspizierte sie die zwei vom Meer weggerichteten und vom Wohn/Ess/Küchenraum aus erreichbaren Schlafzimmerchen, zunächst das für Kinder mit Stockbetten, dann das elterliche mit französischem Bett, das sie in der ersten Nacht so gut hatte schlafen lassen. Nun wandte sie sich wieder der breiten Fensterfront mit Meeresblick zu, stellte den Teekessel auf den Gasherd, suchte Tasse und Löffel, Teebeutel und Zucker zusammen und wartete auf den summenden Ton der Kesselpfeife. Mit der dampfenden Teetasse samt Löffel in der einen und Zuckerdose in der anderen Hand stand sie zunächst unschlüssig vor dem Verandatischchen, setzte dann beides ab und wollte schon zurück in die Ferienhütte, als plötzlich ein lausbübischer Anflug sie um Jahre jünger aussehen und die zwei seitlichen Stufen ignorierend tat sie einen kleinen Sprung direkt in den Sand hinab tun und sich breitbeinig hinstellen ließ, die Augen genüsslich schließend ließ sie ihr Wasser laufen. Vergnügt beugte sie sich darauf hinab, besah sich wie wohl schon als kleines Mädchen am Baggersee den nassen Krater, in dem gerade die Reste versickerten, und die Spritzer in der Umgebung, in deren Tropfen der Sand bereits verbacken war und ihnen Form und Farbe von Staubperlen gab, wie bei einsetzendem Regen. |
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