| Author: | Zyta Rudzka | |
| Rights sold: | Polish | |
| Genre: | Novel | |
| Number of pages: | 170 | |
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| Publishing company: | Swiat Literacki, Izabelin | |
| The year of publishing: | 1999 | |
| Origin Country: | Poland | |
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Summary |
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Sample text |
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Textprobe Mutters Brüste sind klein, ihre Brustwarzen länglich, sie erinnern an die blassroten Erdbeeren eines frühen Sommers. Während der Schwangerschaft vergrößern sie sich kaum, schwellen qualvoll auf. Sie hatte diese Qual schon früher gespurt, wenn ihr Mann bei der Liebe ihre Brüste umschlang, sie mit vollen Händen schwingen ließ. Deshalb fürchtete sie die Geburt, das Kommen des Kindes, das Stillen, seinen saugenden, gefräßigen Mund. Es bleibt unklar, ob deshalb ihre Milch zu schwer, zu sämig, zu voll für das Neugeborene ist. Sie muss die Milch absaugen, die Brustwarzen kneten, zwischen den Fingerkuppen die Milchklümpchen zerreiben, die das Baby dann gierig, wie ein Tierjunges, ableckt. Vaters Lachen ist laut, larmend, jungenhaft. Eher Teil der Materie, der Physis des Körpers, als des Zitterns der Luft. Mutter lacht mit dem Mund, hebt die Lippenwinkel, entblößt die Zähne, die Zahnfleischkonturen. Das Zeigen von Freude entstellt sie, in das Gesicht treten neue Fältchen, Sorgen, Furchtsamkeit. Der Körper biegt sich nicht, tänzelt nicht im Rhythmus des Lachens, bleibt angespannt, vom Kopf gesondert, abwartend. Sie lachen gemeinsam. Als würden sie sich umarmen, sich lieben. Lange Minuten verharren sie in diesem Gelächter. Solange sich Vater nicht an das Kind erinnert. Plötzlich verstummt er, stockt mitten im Glucksen, löscht hastig das Licht, verabschiedet sich im Dunkeln. Mutters Augen gewöhnen sich schnell an die Nacht. Deshalb sieht sie, wie er mit der rechten Hand das Kreuz schlagt. Diesen Sommer tun ihr die Brüste vom Milchpressen weh, und die feuchten Büstenhalter, die an den Brustwarzen reiben, lassen sie das wimmernde Kind im Garten auf der Armeepritsche niemals vergessen. Und da ist noch der Mann, ihr Mann, der Vater ihres Töchterchens. Er, der das Seine jeden Abend einfordert oder auch an den stählernen Morgen, wenn die Hähne sie mit ihrem heiseren Säufergekräh wecken. An den Abenden, an denen Vater die Uniform ablegt, den Bauch einzieht und den Gürtel löst, ihn auf die Marmorplatte des Tisches wirft und dann das Klirren der Schnalle verkündet, dass er bereits einen Augenblick später auf seine Frau zugehen wird, im Glauben, dass er sie mit Kitzeleien, Kiekeleien, wie er sie nennt, heiß macht und sie dann vor ihm zurückweicht, hält er ihr vor, sie sei ein französisches Hündchen, denn nirgends darf man sie fest anfassen, nicht an den Titten, nicht unter den Achseln, immer muss ihr nämlich alles wehtun, sie quälen, brennen. Und gleich darauf, wenn er sich herunterbeugt, versucht, sie mit seinen Armen zu umfangen, und sie ihn mit aller Kraft mit ausgestreckten Armen von sich stößt, sagt, er stinke nach Kantinenspeck, dann ist sie längst kein ausländisches Hündlein mehr, dann wird sie zur räudigen Hündin, die er aus der Armut, dem elenden Praga, herausgeholt hat, die Judennutte, schmutzige Dorfschlampe, die nur zur Seife für seinen Arsch taugt! Vater spricht acht Sprachen, besäuft sich lauthals wie ein Holzfaller, rulpst, schwitzt, heult, wenn er Schnaps gesoffen hat. Seine Hemden sind falsch gewählt, zu eng. Wenn er sich im Garten wäscht, über dem kupfernen Waschtrog, dann sieht Mutter auf dem Männernacken die rote Strieme. Der Körper ihres Manns. Kraftvoll, hart wie der Stamm eines Baums. Im Geheimen vergöttert sie ihn. Sie schenkt ihm keine Worte, Berührungen. Ihre Bewunderung muss stumm bleiben. Tagsüber scheint Vater Mutter entbehrlich. Sie mag die Blumen hier. Das Purpur der Stängel, das gelbe Kelchinnere, wie die Böden von Zinneimern. Sie erheben sich über den moosigen Disteln, kornblumenblau, kobaltblau, gleichen den Adern an ihren Schläfen. Sie heilt sich mit dem Grün des Rasens, kuriert sich mit den Gärten. Schläft im Gras, angstlos, wie nach einer schweren Arbeit, wie ein wil-des Tier, als wäre sie tot. Sie lebt ohne ein Obdach. Eine Kommission reist an. Sie prüfen die Papiere, trinken, fressen feist. Liebe Frau Elżbieta, Sie sind wohl Spanierin, so raben-schwarz, wie Sie sind ? Fragt einer unversehens. Zur Antwort lacht Mutter, die der Wodka erhitzt hat, laut¬hals auf. Und der Mann wird mit einem Schlag fast nüchtern, er schiebt nämlich die Schüsseln auseinander, urn seinen Händen Platz zu schaffen, stemmt sich auf, beugt sich über den Tisch auf sie zu. Im Alten Testament war es Gottes grausamste Strafe, einen Namen aus dem Buch der Lebenden zu löschen. Wie heißen Sie wirklich, he? Erfahren wir das jetzt nun endlich, wie? Oder sollen wir raten? Na, Rachela, vielleicht ja auch Ryfka? Er spricht mit ernster Stimme, theatralisch. Aber sofort danach sinkt er in seinen Stuhl zurück, wischt sich das Gesicht aus der Stirn, bekommt Hunger. Er spießt die Wurst mit der Gabel auf, stopft sie sich in den Mund, kaut gefräßig, bei all dem die Augen stier auf Mutter geheftet. Vater schwänzelt um Mutter herum und dann, als alles vorbei ist, pinkelt er. Er steht Habacht, schlägt mehrmals auf sie ein. Und sie kehrt gleichgültig, teilnahmslos an den Tisch zurück. Sie ordnet die Bücher mit ihren gesammelten Blumen. Sie widmet sich dem Sammeln eines Herbariums. Vater erstarrt übertölpelt, verliert die Fassung, weiß nicht wohin mit seinem Zorn, mit seinen Händen, lässt sie ratlos sinken. Er läuft hinaus in den Garten. Die Vögel locken hier einander doch tagelang. Manche der Stimmen sind ihm längst vertraut. Er stemmt die Hände gegen den Baumstamm, spreizt die Beine. Er kotzt. Vergiftet vom Wódka, der Gleichgiiltigkeit der Frau, dem vierten Jahrzehnt seines Lebens. Mutter sortiert die gesammelten Pflanzen, vergleicht sie mit dem Vorbild im Herbarium, reißt angefaulte Blätter ab, Stängelchen, abgeblühte Blüten, noch nicht aufgegangene Knospen. Sie wählt die am schönsten gewachsenen und straffsten Exemplare, die sie dann mit abgöttischer Ehrfurcht, gottesfiirchtiger Zärtlichkeit auf das Leinentuch legt. Die morgendliche Welt ist eine Welt der Umrisse, Konturen, grober Nachbildungen von Gegenständen und Geschöpfen, erhebt sich in die kiihle Luft, sammelt das träge Licht, schließlich nimmt sie Details und Farben an, nimmt die Erinnerungen. Alles zeugt von jenen Tagen, Monaten, als Mutter aus der Stadt flieht, auf die Wiese, die Felder, weg von dem Neugeborenen, von ihr, die dem Vater verbietet, sie zu liebkosen, wie ihr Mann es tat. Der ranzige Schwall strömt durch die aufgeplatzten Rahmen, gelangt in die Wohnung, legt sich auf den schartigen Estrich, die trockenen Waden, Lampenschirme und Senfglaser mit Fliegendreck. In mehreren Jahren wird Mutter anfangen all das abzuspülen, taglich, mit warmer Waschlauge. Die Routine lässt die Hände faltig werden, die Kuppen ausbleichen, weiche Placken bedecken sie. Das Dach des Hauses war immer in strömendes Licht getaucht, als hatte es sich aus dem Herbstland davongestohlen und wäre bis nach Umbrien gelangt. Doch ihre Wohnung ist schon gezeichnet von den larmenden Schatten aus den Häusern gegenüber, aus den Wohnungen der Nussholzmöbelzüchter, der verwachsenen Pinscher, der miefenden Drahtputzer zum Spülen der Gartöpfe. Die angestarrten Zimmer sind so klein, dass sie wie der Sitz von Sommerfrischlern wir-ken. Die über die Stuhllehnen geworfenen, vom Waschen und der Sonne zerschlissenen Handtücher, die glitschigen Unterröcke in Form abstehender Frauenbäuche, fast wie quer über die Betten liegende Flittchen, die gesprenkelten Wandteppiche aus Kowary. über all das reibt eine fast zu enge Wäsche. War es auch heilig, denn es war durchlebt, so steckt das von der Erinnerung Besudelte mit seiner Flüchtigkeit an, mit theatralischer Affenhitze, fesselt wie eine Fliegenfalle. Hatte Vater geahnt, dass sie fliehen würde? Denn einmal vor dem Schlaf, noch vor dem Gebet, küsst er ihr die Füße. Er tut es schweigend, kniet nieder, sein Gesicht ist so gesammelt wie beim Vaterunser. Seine Frau erwidert ihm keine einzige Liebkosung. Sie bleibt ruhig, unberührt von Wohlgefühl, Ekel oder Unwillen. Aber es gibt keinen Widerspruch in ihr, als er beginnt, sie auszuziehen, zu berühren, anzugreifen. Er küsst den Bogen ihres Fußes aus. Er legt den Mund an den Ansatz ihrer Zehen. In diesem Moment träumt sie von einer Flucht vor ihm, vor dem Kind. Ein letztes Mai denkt sie die geplante Reise als Sünde. Einen vermessenen, schamlosen Frevel. Copyright Ursula Kiermeier |
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