Der Keenote
Author:Günther J. Schulz
Rights sold: German
Genre:Novel 
Number of pages:235 
Edition:
Editor:Open Mind Publisher Ltd.
Series: 
ISBN:978-99959-640-0-9 
ISSN: 
Publishing company:Open Mind Publisher Ltd., L-Medingen 
The year of publishing:2010 
Origin Country:Luxembourg 

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Summary

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Kapitel 3

In der Nacht erwachte ich aus einem unruhigen Schlaf. Ich hatte ein flaues Gefühl im Magen und verspürte zugleich größten Appetit. Trotz der strengen Bettruhe entschied ich mich, in die Stationsküche zu gehen, um dort irgendetwas Essbares aufzutreiben.
Die Küche lag direkt vis-à-vis meinem Zimmer. Um möglichst jegliches Aufsehen zu vermeiden, schaltete ich kein Licht an, schlich mich in die Küche und wollte gerade die Kühlschranktür öffnen, als ein Geräusch an mein Ohr drang.
Ich knipste die Herdbeleuchtung an − sie befand sich an der Dunstabzugshaube − und sah mich im Raum um. Auf der anderen Seite des Raumes, mir direkt gegenüber, saß ein dunkel gekleideter Mann mit Humphrey-Bogart-Hut, in langem Mantel und schweren silberbeschlagenen Stiefeln. Unter der weiten Krempe seiner Kopfbedeckung grinste mich ein dunkelrotes, fast ins Schwarze getauchtes Gesicht an.
Wie der Meph meiner Albträume ... Es war Meph! Ein Schock wie selten erfasste mich. Ich taumelte sogar ein wenig und war nicht in der Lage, mich kontrolliert zu bewegen, geschweige denn ein Wort zu sagen. Eine Unendlichkeit lang, so schien mir, schaute er mich an. Schließlich kam ein freundliches sonores »Guten Abend« aus der im Halbdunkel gelegenen vorderen Seite der Küche. Der Mann, oder was immer ›es‹ war, schien sich nicht verbergen zu wollen, verhielt sich eher wie ein Besucher, nicht wie ein Einbrecher. Ich versuchte zu antworten, aber vor lauter Herzklopfen und lähmendem Entsetzen brachte ich nur ein kehliges und tonloses Hallo hervor. »Keine Angst, Mensch. Ich bin keine Gefahr für dich. Ich will nur reden. Neben dir auf der Anrichte steht ein Glas Wasser. Nimm einen Schluck. Es wird dich beruhigen.« Folgsam führte ich mit zittriger Hand das Glas an meinen Mund,

nahm einen kräftigen Schluck und fühlte mich gleich etwas besser. An Flucht war nicht zu denken. Dummerweise saß die Gestalt auch noch zwischen mir und der Tür. Ich war beim Betreten der Küche ganz offensichtlich an ihm vorbeigegangen. Der Schweiß stand mir auf der Stirn, und ich überlegte, den rot leuchtenden Notrufknopf zu drücken, der sich direkt links neben der Küchenarmatur befand. Der unheimliche Besucher schien Gedanken lesen zu können. »Versuch es erst gar nicht«, kam es fröhlich aus dem Halbdunkel des Raumes, »die Nachtschwester ist eingeschlafen. Und wir haben heute Nacht ein kleines elektrisches Problem mit dem Notrufknopf. Er funktioniert nicht. Morgen wird der Elektriker kommen, und alles wird wieder funktionieren. Nur wird er keinen Fehler finden.« Mein Gegenüber sah absolut aus wie Meph. Und Meph war der Teufel, der mir seit ewigen Zeiten in meinen Albträumen erschien. Ich entschied, darüber nicht weiter nachzudenken. Währenddessen grinste der Besucher mich unter der weiten Krempe seines Hutes mit diebischer Freude an. Offensichtlich eine echte Frohnatur. Ich war der Hysterie nahe.
»Wer ... wer bist du?«, brachte ich mit größter Mühe hervor, während mir zugleich durch den Kopf ging, vielleicht eine Halluzination vor mir zu haben, hervorgerufen durch das neue Zusatzmedikament. »Ja ... wer bin ich?« Der Mann lehnte sich selbstzufrieden zurück, verschränkte die Arme ineinander und verfiel in ein kurzes kehliges, in jedem Fall unpassendes Gelächter.
Das Gesicht war durch die veränderte Körperhaltung nun besser erkennbar, was mich aber ganz und gar nicht beruhigte; es war beherrscht von einer großen, krummen Nase, durch die der Mann vernehmlich atmete. Die Augen waren klein, dunkel und blitzten von Zeit zu Zeit wenig vertrauenerweckend auf. Das Haar war unter dem großen Hut nicht zu sehen, doch vermutete ich, dass es schwarz sein würde wie die buschigen Augenbrauen. Die ungewöhnlich großen, weißen Zähne hätten im Normalfall den ganzen Kerl vielleicht sympathischer erscheinen lassen, trugen hier aber eher dazu bei, das Unnatürliche dieses Gesichts zu betonen.
»Du kennst mich aus deinen Träumen. Ich bin das Böse, das Gegenteil von allem Guten − ich bin der mit dem Pferdefuß.« Wie zum Beweis hob er sein Bein in die Höhe, aber außer einem vielleicht etwas zu groß geratenen Stiefel war nichts weiter zu sehen. »Ich, mein Freund, ich bin der, den du als Mephisto aus der Literatur kennst, als den Antichristen oder als Luzifer aus amerikanischen Filmen. Mir persönlich ...«, und er schnalzte dabei genüsslich mit der Zunge, »gefällt Mephisto am besten, meinetwegen auch Mephistopheles. Das gibt mir so eine unglaubliche geistige Tiefe.« Während er dies sagte, hob er unnatürlich den Kopf, schob sein Kinn vor und sah wild grinsend in die nicht vorhandene Weite. Ein Irrer!, schoss es mir durch den Kopf. Langsam, nach tausend Jahren, wie mir schien, verlor die Adrenalinlähmung ihre Wirkung, und ich gewann meine Fassung zurück.
»Du bist Mephisto? Dann wirst du ja nichts dagegen haben, wenn ich das mit dem Notrufknopf trotzdem einmal ausprobiere.« Ich drehte mich, so schnell ich konnte, zur Notrufarmatur, drückte den Knopf und ... tatsächlich − nichts geschah. Ich drückte mehrmals, zuletzt schlug ich mit der linken Faust dagegen, mit gleichem Ergebnis.
Bisher war ich nicht recht Herr meiner Stimme gewesen, hatte nur fast unhörbar sprechen können. Nun, da ich mich wieder mehr in der Gewalt hatte, versuchte ich es mit meiner starken Stimme. So laut ich konnte, schrie ich um Hilfe. Warum nur habe ich auch noch die Küchentür hinter mir zugezogen?, dachte ich verzweifelt, während ich vergeblich eine Reaktion auf meine Hilferufe erhoffte.
Mein Gegenüber schien das Ganze nicht besonders zu beeindrucken. »Ach«, er betrachtete gelangweilt seine Fingernägel, »habe ich erwähnt, wie tief doch alle übrigen Patienten in dieser Nacht schlafen? Und natürlich auch das Personal. Tja, du wirst dich wohl oder übel mit deinem Besuch beschäftigen müssen.«
Mutlos und entnervt ließ ich mich auf einen der neben mir stehenden Küchenstühle sinken. Der Mann lächelte nun fast schon vertrauenerweckend.
45
»Höre, Steven Dorset, ich verspreche, es wird dir nichts geschehen, was du nicht wünschst. Ich will nur ein Gespräch führen. Wenn du danach sagst: Das war es, dann war es das, und du wirst mich nie wieder sehen. Du wirst morgen früh aufwachen und denken, du hättest einen Albtraum gehabt, mehr nicht.«
»Okay. Ich will aber nicht mit dir reden. Du machst mir Angst. Lass mich in Frieden, wer immer du auch bist.« Ich versuchte ihn dabei freundlich anzusehen, was mir wahrscheinlich gar nicht gelang. »Werde nicht vorwitzig, Kerl. Ich bin Mephisto und kein Idiot, der sich wegschicken lässt!« Der Mann sah mich aus blitzenden, aus dem Halbdunkel heraus jetzt rötlich schimmernden Augen an. Seine letzten Worte hatte er mir scharf und aggressiv entgegen gezischt. Ich wunderte mich, wie schnell die Stimmung bei meinem unheimlichen Gast umschwenken konnte. Beschwichtigend hob ich meine zittrigen Hände in die Höhe und versuchte ihn zu beruhigen. »Okay, okay, ich verstehe; es war nur eine Bitte, mehr nicht. Worüber willst du reden?«
Mephisto beruhigte sich augenblicklich, schien zufrieden und verfiel wieder in seinen angenehmen Plauderton wie zuvor. »Na also, warum nicht gleich so. Lass uns jetzt beginnen. Zunächst ist für mich die Frage wichtig, ob du glaubst, in mir hier den Teufel, also Mephisto, vor dir zu haben. Oder was denkst du?« Ich über- legte. Der Kerl fragte allen Ernstes nach meiner Meinung.
»Darf ich ehrlich sein, ohne gleich wieder von dir bedroht zu werden?« Ich kam mir zutiefst unwirklich vor. »Natürlich, nur denke dran: Mit dem Teufel macht man keine Spielchen.«
»Habe ich verstanden. Also, es ist Verschiedenes möglich. Entweder bist du ein entlaufener Irrer, der gleich sein Messer herausholt und mich zerteilt ...« »Sehr witzig. Du beleidigst deine eigene Intelligenz. Was noch?« »Nun ja, ich nehme starke Tabletten ...«
»... die nicht wirken«, unterbrach mich der fremde Mann maliziös grinsend. »Schön, daran erinnert zu werden. Ja, vielleicht − und ich hoffe das sehr − bist du eine Mischung aus Halluzination und Albtraum, hervorgerufen durch die falsche Anwendung von Psychopillen.« Ich sah den Teufel, oder wer immer er war, erwartungsvoll an. »Vergessen wir auch diese Möglichkeit.« Mein Gegenüber verlor nicht einmal im Ansatz seine Selbstsicherheit.
»Dann stünde noch Nummer drei zur Auswahl. Du bist derjenige, für den du dich ausgibst. Du bist Mephisto, der Teufel. Du bist der, der mir ständig in meinen Albträumen erscheint. Der, der mich jedes Mal in die Enge treibt, der mich in Todesängste versetzt, solange ich denken kann. Kurzum, die schlechteste aller Lösungen. Denn das würde bedeuten: Ich bin richtig am Ende. Nicht nur schwer krank oder so gut wie tot. Nein, das bedeutete auch: Es gibt die Hölle − und nach dem Tod fahre ich wahrscheinlich direkt dorthin. Denn schließlich bist du ja mein Besucher und kein Engel oder sonst wer von der guten Abteilung.« Allein bei der Formulierung dieser Möglichkeit ergriff mich wieder die pure Angst, und ich begann regelrecht am ganzen Körper zu zittern. »Keine Panik, keine Panik. Muss der Teufel dich jetzt beruhigen? Hörst du denn nicht zu? Es wird dir nichts geschehen.«
Es dauerte eine Weile, bis ich mich wieder einigermaßen im Griff hatte. Ich kam mir vollkommen irreal vor, konnte im Grunde nicht glauben, hier tatsächlich den Teufel vor mir zu haben. Aber das Wesen vor mir machte mir Angst, und es schien in jedem Fall geboten, zumindest zum Schein auf es einzugehen. Ich sammelte mich und fasste meinen ganzen Mut zusammen.
»Was willst du denn überhaupt von mir? Willst du vielleicht meine Seele, wie das in den Büchern und Filmen immer so schön beschrieben wird? Und wenn dem so ist, warum ist deine Wahl ausgerechnet auf mich gefallen?«
Mein Besucher sah mich ein wenig überrascht an. Anscheinend lag ich ziemlich richtig mit meiner Vermutung. Dann stand er auf und begann im Zimmer auf- und abzugehen. Wie ich nun erkennen konnte, hatte er tatsächlich einen Ziegenbart, diese üble, ins Schwarze gehende Gesichtsfarbe und, tatsächlich, − er humpelte. Er war das Mensch gewordene Klischee eines Teufels.

Schließlich blieb er unweit meines Tisches stehen, sah mich aus bösen Augen düster an, lächelte plötzlich und antwortete mir schon beinahe freundschaftlich. »Zunächst einmal: Du hast recht. Es geht mir in der Tat um deine Seele. Du kennst die Geschichte: Mephisto kommt auf die Erde und kauft Doktor Faustus die Seele gegen Erkenntnis ab. Tatsächlich habe ich auf diese Art schon Hunderte von Seelen eingesammelt. Ich will also auch deine Seele haben, jedoch erst nach deinem Tod, also kein Grund für weitere Aufregung. Denn dein Tod ist noch lange nicht in Sicht, und ich kann und will ihn nicht herbeiführen. So sind die Spielregeln. Also ›cool bleiben‹, wie du sagen würdest. Dann zur zweiten Frage: Warum habe ich dich gewählt? Ganz einfach. Ich beobachte dich schon ein Leben lang, und du bist am Ende. Deine Firma läuft alles andere als gut, deine Freundin − die wievielte ist es doch gleich? − betrügt dich. Und du bist krank, todkrank. Du steckst fest, bist in der Sackgasse deines Lebens angekommen. Alles in allem der ideale Kandidat für einen Vertrag mit dem Teufel.« Er schlug bei den letzten Worten freudig lachend die Hände ineinander.
»Kandidat wofür? Für die Hölle? Ich soll also meine derzeitige Misere gegen eine ewige Misere eintauschen? Danke, sehr großmütig.« Ich fühlte, wie meine Angst langsam durch eine aufsteigende Wut abgelöst wurde.
»Nun, ganz so einseitig ist der Handel nicht. Ich liefere dir im Gegenzug Erkenntnisse, die dich aus deiner miserablen Lebenssituation befreien werden.« »Mephisto, oder wer immer du auch bist, wenn ich das jetzt richtig verstehe, dann bin ich für dich so eine Art Zeitvertreib. Du suchst dir, aus welchem Grund auch immer, Menschen aus, denen es schlecht geht, und schließt mit ihnen einen Vertrag ab. Einen Vertrag, in dem die Menschen ihre Seele gegen die Wahrheit eintauschen.«
Mein teuflisches Gegenüber nickte mir zu, schien unsere Unterhaltung richtig gut zu finden, setzte sich wieder hin, schlug die Beine übereinander und legte seine Unterarme entspannt auf die Stuhllehnen.

»Nun, fast richtig. Weißt du, es gibt so viele Wahrheiten in diesem Universum. Mir scheint, für dich sind solche Wahrheiten interessant, die dich zu einem glücklichen und zufriedenen Menschen machen.«
»Sei mir nicht böse, Mephisto, aber das hört sich nach etwas wenig Greifbarem an. Einen solchen Handel würde ich nie eingehen. Wahrheiten zu erkennen, die mir das große Aha-Erlebnis bescheren sollen, sind mir eigentlich ziemlich egal. Mich interessiert der Er- folg, mich interessiert Macht, mich interessiert natürlich die große Liebe und mich interessiert seit Kurzem meine Gesundheit.«
Er grinste mich auf seine unangenehme Art an. »Tja, das habe ich mir gedacht. Ich wollte nur nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. All das kannst du haben. Wir verstehen uns, Steven Dorset.« »Was heißt, wir verstehen uns? Du hast mich seit frühester Kindheit in Angst und Schrecken versetzt, indem du den Bösen in meinen Albträumen gespielt hast.«
»Nun, das mag dir heute ein bisschen unfair erscheinen. Aber ich musste dich schließlich vorbereiten. Außerdem solltest du auch ein wenig Respekt haben, wenn ich dann wirklich, quasi in natura, vor dir stehe.«
»Respekt? Du machst Scherze. Das war die vorweggenommene Hölle, das war Horror pur!« »Das verstehst du falsch. Nicht ich habe deine Ängste verursacht, sondern du selbst oder dein Umfeld haben das bewirkt. Natürlich wollte ich mich auch bei dir einklinken, so ein wenig ›Mind Control‹ bei meinem zukünftigen Kandidaten betreiben. Dass du, Steven Dorset, daraus gleich eine solche Geschichte machen würdest, war nicht zu erwarten.«
»Also ist das alles ein Ding meiner eigenen Unfähigkeit gewesen, mit dir umzugehen? Du wolltest mich nur scannen, um festzustellen, ob ich mich in die richtige Richtung entwickle?« »Genau. Besser hätte ich es nicht ausdrücken können, Erden- mensch.« Ich glaubte ihm kein Wort.
»Also, wenn ich dich recht verstehe, lautet der Deal: meine Seele gegen Macht, Erfolg, die große Liebe und Gesundheit?«

»Genau.« »Welchen Grund sollte ich nun aber haben, mich ausgerechnet mit dem Teufel einzulassen? Bisher jedenfalls sind meine Erfahrungen doch nur negativ, verheerend schlecht.« Ich wunderte mich selbst ein wenig, wie selbstbewusst ich gegenüber dem Bösen schlechthin auftrat. »Nun, der Grund ist einfach zu benennen. Du hast soeben den Satz Ich bin am Ende verwendet. Das kann ich bestätigen, allerdings in einem anderen Zusammenhang. Ich habe dir ein langes Leben vorausgesagt, aber auf diesem langen Leben kann ein Schatten liegen. Du bist unzweifelhaft schwer krank, und wenn es hier kein kleines Wunder gibt, wirst du nie wieder ganz gesund werden. Du verstehst? Auf dich wartet nicht der Tod, sondern ein Leben als kranker Mann.« Mephisto sah mich forschend an, wie um zu überprüfen, ob ich sei- ne Worte verstanden hatte. Ich war verunsichert und wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Wenn dieser hier, der sich Mephisto nennen ließ, tatsächlich der war, für den er sich ausgab, wenn er also tatsächlich existierte, warum sollte er dann die Wahrheit sagen? »Du lügst, die Ärzte hier sind gut. Sie werden mich schon wieder hinbiegen«, versuchte ich deshalb gegen zuhalten. »Wenn du meinst ...«, Mephisto drehte sich versonnen lächelnd dem Fenster zu, in dessen Spiegel er meine Reaktion beobachten konnte, »ich sehe das anders, und ich bin Mephisto. Also überlege es dir. All das, was du dir immer gewünscht hast, gegen eine Seele, von deren Existenz du, soweit ich das sehe, sowieso nicht überzeugt bist.« Ich versuchte fieberhaft meine Gedanken zu ordnen. Das Geschehen war absolut irreal. Und doch: Die Gestalt vor mir und der Teufel aus meinen Albträumen waren jedenfalls identisch. War das schon der Beweis für seine Existenz? Ich wusste es nicht. Vielleicht war er ja bereit, mehr über sich zu erzählen. »Wie schon gesagt, Mephisto, ich weiß nicht, ob du real bist oder nicht. Wie kann ich da einen Deal mit dir abschließen? Kannst du mir nicht etwas an die Hand geben, was das Ganze glaubwürdig macht?«

»Ich verstehe. Nun, Erdenmensch, dann erzähle ich dir etwas, was dir in deinem beschränkten Denken hilft, mich als Realität an- zuerkennen. Zufällig, rein zufällig ...«, und er grinste mich dabei süffisant an, »gefiel es Gott vor einigen Millionen Jahren, irgendwo im Universum Leben entstehen zu lassen. Das geschah auf dem Planeten Erde. Aus diesem Leben ist die Spezies Mensch entstanden. Diese Spezies hat nach und nach die Führerschaft auf diesem Planeten übernommen, hat sich durchgesetzt. − Zwei Dinge treiben den Menschen hauptsächlich an: Der Selbsterhaltungstrieb und der Vermehrungstrieb. Alles andere ist, würdet ihr sagen, kulturell oder lebensgeschichtlich begründet.«
Ich sah ihn an, so kritisch ich nur konnte. »Wenig schmeichelhaft für uns; aber sei es, wie es ist. Nur, was ist deine Rolle in dieser Geschichte und warum machst du dir die Mühe, hierher zu kommen und mit mir zu reden oder gar einen Vertrag abzuschließen?« »Langsam, langsam. Dazu komme ich nun. Wie das Gute, so gibt es auch das Böse, so gibt es auch mich. Ich bin, besser gesagt war der ewige Gegenspieler Gottes. Denn Gott hat sich schon längst von den Menschen abgewandt. Vereinzelt entgehen Menschen zwar noch der Hölle, aber insgesamt habe ich, Mephisto, das Spiel gewonnen. Ja, früher gab es noch oft ärgerlichen Kleinkrieg mit Gott um die Menschen und ihr Seelenheil. Das ist längst vorbei.« Der Teufel grinste jetzt selbstzufrieden. »Dabei war mein Anteil da- ran gar nicht so groß. Überwiegend habt ihr das selbst besorgt.« Ich sah ihn ungläubig an. »Wovon redest du eigentlich? Wie wäre es mit einem Beispiel, mit etwas Konkretem?«
Mephisto feixte. »Nenne mir ein Feld, auf dem ich nicht gewonnen hätte. Das Bewusstsein und erst recht die Taten der Menschen haben doch nichts mehr mit dem zu tun, was Gott euch einst gepredigt hat. Zynisch und materialistisch seid ihr alle. Dazu komplett von euch selbst entfremdet.«
Er grinste breit über sein abstoßendes Gesicht. Offensichtlich war er in seinem Element. »Ihr Menschen seid also genau, wie ich euch haben will. Ihr beschäftigt euch ständig mit Dingen und Gedanken, die nichts mit

euch zu tun haben, oder handelt oftmals gar gegen eure ureigenen Interessen. Ständig belügt ihr euch selbst und die anderen. Nichts ist, wie es scheint. Ihr seid durchgehend unglücklich − und das ist Hölle, mein Freund. Schau dich an. Wenn du nicht arbeitest, kommt die Verzweiflung hoch. Du hast den Kontakt zu dir selbst verloren. Wenn überhaupt, dann fühlst du nur noch das Negative, Extreme wie Eifersucht, Liebeskummer oder Verlust. Du fürchtest die Einsamkeit, weil du innerlich tot bist und dich Angst und Verzweiflung übermannen ... Um nicht in Selbsthass zu vergehen, musst du dich ständig ablenken, nur, es gelingt dir immer weniger, der inneren Hölle zu entgehen. Das Einzige, was euch Menschen dabei wieder aufrichtet, ist die für mich erstaunliche Fähigkeit, sich alles schön zu reden, vor allem im Nachhinein ... Doch du steckst in einer derartigen Sackgasse − da hilft auch das Schönreden nicht weiter. Es gibt, und das hast du völlig richtig erkannt, für dich nur einen Weg: Du musst endlich Erfolg haben. Nur dann kannst du weiterleben.«
»Dem, was du über den Erfolg sagst, stimme ich zu. Ansonsten malst du alles sehr schwarz. Was ich dir nicht verdenken kann. Das ist ja schließlich auch nur natürlich für dich«, entgegnete ich kühl, »aber warum dann die ganze Mühe?«
»Du willst wissen, warum ich mich so um einen Menschen bemühe, wo mir doch die ganze Menschheit derart in die Hände spielt? Nun ja, ...«, Mephisto streichelte versonnen seinen Ziegenbart und legte eine kleine Pause ein, »... ich bin ehrgeizig und habe Spaß daran, Schicksal zu spielen, in den Weltenlauf einzugreifen. Weißt du, dann und wann reizt es mich, jemanden aus seinem Elend herauszuführen, und zwar durch den Erfolg auf allen Ebenen. Ich werde dich zu einem Sieger machen. Der Preis, den du dafür zu zahlen hast, ist für dich unerheblich: Du glaubst nicht an ein Leben nach dem Tod und du glaubst nicht an deine Seele. Du glaubst eigentlich an gar nichts. Wie solltest du auch, wenn du dich innerlich schon tot fühlst. Der Verkauf deiner Seele kann dir egal sein. Du willst den Erfolg, den Erfolg auf ganzer Linie. Das ist die Lösung. Und du willst den Erfolg jetzt! Das biete ich dir an.«

Ich fühlte mich ziemlich genau charakterisiert und musste, bei allem Ernst der Lage, lächeln. Die Kreatur, die da vor mir saß, hatte mich durchschaut. Sie sah das richtig: Mittlerweile war mir alles egal, was man mir an Werten gepredigt hatte. Ich wollte endlich oben stehen, Erfolg haben, Erfolg auf ganzer Linie.
Das Problem lag einzig in der Glaubwürdigkeit meines Gegen- übers. Je mehr der Teufel versuchte, mir die Zusammenhänge zu erklären, desto mehr zweifelte ich. Ausgesucht hatte er mich ganz offensichtlich schon vor langer Zeit, denn er erschien mir schon seit ewigen Zeiten in meinen Träumen. Jetzt, da es mir richtig schlecht ging, wollte er den von langer Hand vorbereiteten Vertrag abschließen. Warum aber mit mir? Und wieso das Gerede von seinem Verhältnis zu Gott? Und Gott sollte sich von der Menschheit abgewandt haben, weil die nur noch nach den Regeln des Bösen handelte?
Was für ein Unsinn! Vielleicht war er doch nur ein maskierter Spinner oder ein weiterer Albtraum. Er sah mich erwartungsvoll an. Offensichtlich hatte ich längere Zeit geschwiegen, er aber erwartete eine Antwort. Er log, das war sicher. Dieses selbstgefällige Etwas konnte oder wollte offensichtlich nicht mit offenen Karten spielen. Ich machte meinem Ärger Luft.
»Du verlangst doch nun nicht wirklich, von mir ernst genommen zu werden? Du erscheinst hier mitten in der Nacht, erschreckst mich fast zu Tode, bietest mir eine Nullnummer an Glaubwürdigkeit − und ich soll dafür meine Seele versetzen. All der ganze Mummen- schanz mit deinem schwarzen Outfit, deinem Pferdefuß und all den lächerlichen, teuflischen Attributen, nur dafür? Weißt du was? Verschwinde doch einfach wieder. Lass den Gimpel von Erden- mensch in seiner Dummheit sterben.«
Nachdem ich das gesagt hatte, fühlte ich mich erst einmal viel besser. So ein kleiner Wutanfall konnte richtig befreiend wirken. Leider folgte die Quittung auf dem Fuße. Plötzlich, als wäre er geflogen, stand Mephisto dicht vor mir auf der anderen Seite des Tisches, umfasste mit kräftigen, bläulich schimmernden Händen

die glanzlackierte massive Tischplatte, war offensichtlich außer sich und brachte in seiner Wut den schweren Eichentisch zum Vibrieren. Zweifelsohne hatte ich bei meinem unheimlichen Gast eine Grenze überschritten, die ich besser unangetastet gelassen hätte.
»Mach mich nicht wütend, Bürschlein. Ich bin die Zeit, der Raum, ich bin die Erde, das Feuer, ich bin alles. Also bin ich auch ein Pferdefuß und auch das andere lächerliche Zeugs, von dem du sprichst!« Mephisto spuckte durch den weit geöffneten Mund kleine Feuersalven in den Raum.
Oh verdammt, es ist kein Traum, es ist Realität, er ist es tatsächlich. Das ist kein Mensch, schoss es mir, der ich doch auf eine Täuschung spekuliert hatte, durch den Kopf. Jetzt hatte ich die gleiche Situation wie in meinen Albträumen.
Er bedrohte mich; ich war nicht in der Lage mich zu bewegen, geschweige denn mich zur Wehr zu setzen. Ich versuchte, mich mit der Hand vor ihm zu schützen. Doch gelang es mir nicht, mich zu bewegen. Ich zitterte am ganzen Leib. Das fratzenhafte Gesicht beugte sich immer näher zu mir herüber. Er war nun mehr Bestie denn Mensch. Ich versuchte zu sprechen. Es gelang mir nicht. Ich weiß nicht, wie lange diese Situation anhielt. Es erschien mir wie eine Ewigkeit. Schließlich hatte ich mich soweit unter Kontrolle, dass ich mich verständlich machen konnte.
»Ruhig, ruhig, reg dich wieder ab«, brachte ich mit zittriger Stimme hervor. »Ich habe es verstanden. Wahrscheinlich habe ich deine Macht erst jetzt erfasst. Und vor diesem Hintergrund gewinnt das zuvor Gesagte natürlich für mich mehr an Gewicht«, beeilte ich mich zurückzurudern, während Mephisto dampfend vor mir stand und die Gefahr nicht von mir abließ.
»Außerdem«, ich versuchte mein Gegenüber verschmitzt anzulächeln, »was nützt dir all deine Mühe, wenn ich hier und jetzt vor Schreck an einem Herzinfarkt sterbe?« Das schien dem Teufel einleuchtend zu sein. Augenblicklich entspannten sich seine Gesichtszüge, sein verkrampfter Griff um die massive Holzplatte des Küchentischs lockerte sich, er lächelte und

verfiel wieder in seinen angenehmen Plauderton. Die ganze Wandlung vollzog sich im Nu. Unglaublich. »Vielleicht hast du recht, Schlauberger.« Dabei sah er mich prüfend an. »Also, glaubst du meinen Ausführungen?«
»Ja, nach dem Auftritt gerade − ich glaube dir.« In diesem Moment hätte ich alles gesagt, was er verlangte. Seine Attacke hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Ich atmete schwer und brauchte einige Augenblicke, um meine Gedanken zu ordnen. Währenddessen nahm er wieder entspannt seinen Platz am anderen Ende der Küche ein, und es war, als wäre nichts passiert. Was für ein Monster! Ich musste vorsichtig sein und mich bemühen, ihn nicht weiter zu provozieren. Er war absolut gefährlich für mich.
Natürlich schienen mir seine Ausführungen nach wie vor unglaubwürdig. Er log. Das war offensichtlich. Es gab einfach keinen wirklichen Grund, warum er ausgerechnet mich ausgesucht hatte. Auf der anderen Seite: Was hatte ich zu verlieren? Es war noch nicht einmal klar, ob ich mich nicht doch inmitten eines Albtraums befand. Und letztendlich wollte der Teufel doch nur meine Seele, an die ich sowieso nicht glaubte. Außerdem versprach er mir dafür alles, was ich wollte: Erfolg, Erfolg und nochmals Erfolg.
Seine Motive waren zwar nicht zu durchschauen, aber da die ganze Szenerie sowieso unglaubwürdig war, sprach eigentlich nichts dagegen. Wahrscheinlich würde ich schon am nächsten Morgen einfach den Kopf schütteln über so einen absurden Traum. Immerhin aber war er hier und jetzt für mich Realität. Das Beste war wahrscheinlich, den Vertrag abzuschließen und − Realität hin, Realität her − dabei das Optimum auszuhandeln.
»Wenn ich jetzt hier und heute den Vertrag mit dir abschließe, also verkürzt gesagt Seele gegen Erfolg, wie muss ich mir das dann vor- stellen? Ist dann von einem auf den anderen Tag alles anders, bin ich dann Hauptperson in den Fernsehnachrichten, oder wie wird das vor sich gehen«?
Mephisto lehnte sich entspannt zurück, verschränkte die Arme und lächelte mir aus seiner Teufelsfratze freundlich zu. »Ich glaube, ich muss dir erst einmal etwas über meine Möglichkeiten und die Spielregeln zwischen Gott und mir erklären. Zu- nächst einmal: Ich darf dir zwar die Seele quasi abkaufen, muss dir aber die freie Entscheidung darüber lassen. Natürlich sind auch Betrügereien, wie du sie angesprochen hast, unter meiner Würde und verboten. Ich muss dir immer die Wahrheit sagen. Jedenfalls, soweit du sie verstehst. Außerdem darf ich zwar äußere Veränderungen herbeiführen, wie etwa einen verbesserten Gesundheitszustand. Für Außenstehende aber darf es keine Wunder geben. Alles, was geschieht, muss plausibel und verständlich für die Menschen sein. Weder Gott noch ich dürfen den Menschen das Verstehen nehmen. Denn das Verständnis aufgrund von Erfahrung ist es, was euch einerseits so blind macht, und andrerseits euch daran hindert, verrückt zu werden. So haben Gott und ich das vor Urzeiten vereinbart, und so ist es auch eingehalten worden.«
Wie er da so saß, diese ins Absurde gehende Figur, die sich fast wie ein Mensch verhielt, aber doch nicht ganz und gar, erschien mir die Situation beinahe komisch. Nun legte er auch noch eine theatralische Kunstpause ein. Ich überlegte, wen der Teufel da imitierte, musste an Parallelen zu alten Märchenverfilmungen aus den Fünfzigerjahren denken. Irgendwie führte die Gestalt da vor mir eine Schmierenkomödie auf, der ich keine Bedeutung beigemessen hätte, wenn es nicht um einen so hohen Preis gegangen wäre.
Nun schmatzte er auch noch genüsslich zweimal hintereinander, wobei er den Mund übertrieben weit öffnete. Er schien immer mehr Gefallen an sich und an dem Gespräch zu finden. »Weil du nun gerade gestern erst ein neues Medikament verordnet bekommen hast, ist es somit für mich kein Problem, dich ab morgen auf den Weg der Besserung zu schicken.«
Das hörte sich gut an. Aber es war sicherlich ratsam, sich erst ein- mal weiterhin skeptisch zu geben. »Wenn ich dich recht verstehe, Mephisto, bin ich ab morgen so eine Art Hans im Glück. Alles, was mich dummen Erdenbürger so bewegt wie Reichtum, Macht, Firmenwachstum, die große Liebe und natürlich die Gesundheit − all das wird endlich Realität?« »Ja, du wirst wieder gesunden, du wirst reich sein, wirst mächtig

sein in deinem kleinen Imperium, die Firma wird ›boomen‹, wie du das ausdrücken würdest. Bei der Liebe kann ich dir allerdings nicht wirklich helfen. Ich kann Situationen herbeiführen, aber ich kann keine Gefühle bei euch Menschen entstehen lassen. So ist das Gesetz.« Er grinste mich vielsagend an. »Um wen geht es denn?« »Ich glaube, du weißt, um wen es geht. Es geht um die Therapeutin von heute Morgen. Sie könnte die richtige Frau für mich sein.« »Du bist also einer dieser peinlichen Romantiker, die um so ein lächerliches Ding wie die Liebe einen Riesenzirkus aufführen. Nun, du bist eben ein Mensch.« Er sagte dies mit einer Verachtung, die ihresgleichen suchte.
»Romantiker? So ein Unsinn. Ich will und kann nicht mehr allein sein. Das ist die Wahrheit.« »Das, Erdenmensch, will mir einleuchten. In jedem Fall verspreche ich dir, alles zu tun, was mir möglich ist, damit du die Keenote bekommst.«
Da war es! Er hatte es wieder gesagt. Dieses Wort aus meinen Träumen, über das ich mir jahrelang den Kopf zerbrochen hatte, für das es nirgendwo eine Erklärung gab. Wo hatte ich nicht überall gesucht! Einmal hatte ich einen ganzen Tag in einer Spezialbibliothek mit alten Lexika verbracht. Nichts, ich hatte nichts gefunden. »Keenote? Das Wort kenne ich aus den Albträumen. Du musst es mir erklären.« Ich war gespannt und aufgeregt. Meine Stimme überschlug sich beinahe.
Der Teufel schüttelte theatralisch den Kopf und winkte gelang- weilt ab. Scheinbar hatte er den Namen versehentlich genannt und wollte nichts weiter darüber mitteilen. Erst als ich insistierte und den Vertrag von weiteren Erklärungen zu diesem Wort und zu der Verbindung mit dieser Frau abhängig machte, wurde er redseliger. Angeblich waren die Keenote Seelenwanderer, also Kreaturen, die nicht wirklich sterben konnten, sondern deren Seelen von einem in den anderen Körper übergingen. »Sie stammen aus einer Jahrtausende alten, vergessenen Kultur. Sie sind auf dieser Welt, um das Leid der Menschen zu mindern, um Gutes zu tun, also regelrecht abstoßend. Ursprünglich kommen

sie aus Polynesien, genauer gesagt von der Osterinsel. Du kennst die Reste von Steinskulpturen, die Moais. Sie wurden ihnen zu Ehren errichtet. Es gab ursprünglich um die tausend Moais, für jeden Keenote ein Moai. Deswegen nennt man die Keenote auch die ›Aufrechten Tausend‹. Die Keenote tragen angeblich die alten Wahrheiten in sich. Diese sogenannten alten Wahrheiten sind Albernheiten, die sich gegen meine Macht nie durchgesetzt haben. Nichts Bedeutendes also für dich und mich.«
Ich wollte mehr wissen. »Wenn es für dich so entscheidend ist: In der Geschichte tauchen die Keenote immer wieder am Rande auf. Sie sind Schamanen, Druiden, Kahunas oder auch Hexen oder Zauberer. Hexen und Zauberer − sie sind zu allen Zeiten immer auch Heiler gewesen. Aber Vorsicht. Wenn sie in ihre Kraft kommen − und die alten Keenote sind in ihrer Kraft −, können sie selbst mir die Stirn bieten. Deine Keenote nun ist noch jung, hat vielleicht zwei oder drei Seelenwanderungen hinter sich. Sie hat noch kein entwickeltes Bewusstsein, weiß noch nichts von ihren früheren Leben.« »Du machst Witze.« »Nein. Du kannst sie an einem Amulett aus Stein erkennen, auf dem irgendetwas aus der alten Sprache in Symbolen geschrieben steht. Die Keenote sind nicht an Macht interessiert, deswegen findest du sie in keinem deiner Geschichtsbücher. Denn eure Geschichte haben die Mächtigen schreiben lassen ... Merlin, der Angelsachse, war einer der Letzten, die sich in die politische Welt einmischten. Es war ein Desaster für die Menschen. Selten ist mehr Blut geflossen. Seitdem haben sich die Keenote komplett darauf beschränkt, den Menschen zu helfen. Das ist auch der Grund, warum sie die ›Aufrechten Tausend‹ genannt werden.« Mephisto sah mich prüfend an. »Aber wie ich deinem Gesichtsausdruck entnehme, ist es dir sehr ernst mit ihr. In diesem Fall rate ich dir, aufzupassen. Sie könnte dich schwächen. Wenn du klug bist, bleibst du bei deiner Linie, nutzt vielleicht die eine oder andere ihrer Erkenntnisse, wenn sie dich dem Erfolg näher bringen.« »Wenn du klug bist? Habe ich denn überhaupt den Ansatz einer Chance bei ihr?«