| Author: | Wolfgang Hermann | |
| Rights sold: | German | |
| Genre: | Narration | |
| Number of pages: | 125 | |
| Edition: | 1000 | |
| Editor: | ||
| Series: | Edition laurin | |
| ISBN: | 978-3-902719-38-6 | |
| ISSN: | ||
| Publishing company: | Innsbruck University Press | |
| The year of publishing: | 2010 | |
| Origin Country: | Austria | |
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Summary |
Reviews |
Sample text |
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Textauszug aus der Erzählung "Die Treppe", S. 91-93 Die Treppe Nach den Wochen im Krankenhaus ist nichts nie wie es war. Er hat Freude an allem, was er sieht. kann sich an den Menschen nicht satt sehen. Nicht satt riechen. Er begreift erst jetzt, dass jede Frau ihren eigenen Gang geht, und dass sie mit ihrer Art gehen spricht. Sie sagt nicht einfach: Ich gehe. Meist merkt sie gar nicht, dass sie geht. Manche scheinen so in ihren Alltag verstrickt, sie sind abwesend, ihr Körper befindet sich auf dem Gehsteig, doch sie sind anderswo. Die Eiligen mit dem Mobiltelefon am 0hr sind nur als Pfeil da. Sie nehmen keine Notiz von ihrer Umwelt, automatisch schicken sie sich bei grün über die Ampel. Ihm fällt auf, dass so viele anderswo sind. Waren es vor dem Krankenhaus auch so viele? Dann sind sie ihm nicht aufgefallen. Oft war er einer von ihnen. Menschen, die anderen signalisien, dass sie nicht da sind. Die mit einem kurzen Abwinken auf die vom Zeitungsverkäufer dargebotene Zeitung reagieren, ohne den anderen Ort zu verlasseen, an dem sie sind. Wo ist dieser Ort, fragt er sich. Dieser Ort ist jeder hier in der Menge. Jeder von denen mit dem Telefon am Ohr. Sie sind alle anderswo für jemand anderen, der ebenso anderswo ist. Nur wer ist dann noch hier? Menschenhüllen auf dem Weg irgendwohin. Aber es gibt sie noch, die Langsamen, da und dort einen von ihnen, einen Zeitdieb, einen Zeitbesitzer, deren gelassene Bewegungen von ihrem Besitzer¬stolz zeugen. Besitzer eines unsichtbaren Guts sind sie, von dem nur wenige wissen. Wer schauen kann, der sieht sie in ihrer Gelassenheit. In der Stadt, in der seine Wohnung mit der Treppe liegt, bleibt nicht viel Zeit für die wenigen, die sie zu schätzen wissen. Es sind die, mit denen kaum einer redet. Sie halten sich im Hintergrund. Sie sind, was hier kaum je vorkommt, unbeschäftigt. Sie ver¬suchen aus ihrem Nichtstun auch kein Geheimnis zu machen. Sie zeigen es jedem, der es sehen will. Doch kaum einer sieht es, denn es ist nicht von Interesse für die, die in der Abwesenheit ihres Mobiltelefons leben. Die Zeitbesitzer sind schön, jeder auf seine Weise. Der eine hat Augen, die jede Bewegung auf der Straße wahrnehmen. Augen, die alles halten. Der andere hat eine Gelassenheit in seinem Eckenstehen, die ihm keiner hier nachmacht. Es ist eine Gelassen¬heit von weit her. Er hat sie aus seinem Land übers Meer mitgebracht. Die Zeitbesitzer sind keine Jäger. Sie stehen nicht herum, um jungen Frauen nachzu¬glotzen oder ihnen ins Ohr zu zischen, wenn sie mit ihrem Telefon vorbeihasten. Auch wenn es durchaus Auch wenn es durchaus vorkommt, dass der eine oder andere von ihnen seinen Hals nach der Silhouette einer Gehsteigschönheit verdreht. Wenn, dann aber ordentlich. Kein heimli¬ches Augenverdrehen, kein Stieren und kein Gieren. Als Zeitbesitzer haben sie ihr Recht auf den Anblick. Es gibt in dieser Stadt, wie überall auf der Welt, Vor¬übergehende, denen nicht nachzuschauen nicht nur eine Dummheit, sondern auch ein Versäumnis wäre. Denn was ist die Arbeit eines Zeitdiebs, wenn nicht die Schönheit einer Vorübergehenden zu feiern. Sie dankt es ihm mit einem winzigen Augenaufschlag, während sie in ihr Telefon haucht. Sie weiß um sei¬ne Arbeit. Sie weiß, dass sie seine Augenfreude ist. Sie schenkt ihm gern den Anblick ihrer makellosen Hüften in ihren tiefgesetzten Jeans. Die Anpöbler und Gaffer, die Sackkratzer und Wüstlinge erkennt sie ohne hinzusehen. Sie verkleinert sich, gibt ihnen nur das unbedingt Erforderliche von ihrem Anblick, und weg ist sie. Er hat sein geheimes Leben. Dieses Leben gehört ihm ganz allein. Mit seiner Frau hat er ein anderes Leben. Sein Leben auf der Straße, als Zeitdieb unter Zeitdieben, sie würde es nicht wollen. Sie würde als erstes das Wort Warum aussprechen, und bald wür¬de das Wort Zeitverschwendung folgen. Für so etwas haben nur Arbeitslose Zeit. Und andere Versager. Die sollten mal einen Tag arbeiten wie sie. Davon würde ihnen das Herumstehen shon vergehen. |
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