Wie kommen wir zu einem zukunfts- bzw. tragfähigen Leitbild für unsere Region
| Author: | Peter H. Mettler | ![]() |
| Rights sold: | foreign rights available in all languages | |
| Genre: | Science | |
| Number of pages: | ||
| Edition: | ||
| Editor: | Book not published yet | |
| Series: | ||
| ISBN: | ||
| ISSN: | ||
| Publishing company: | ||
| The year of publishing: | ||
| Origin Country: | ||
|
Summary |
Reviews |
Sample text |
|
PRÄAMBEL 1 Hoffentlich ist heute niemand unter uns, der die Wahrheit über „die“ Zukunft unserer Region zu hören hofft. Denn derartiges legt seriöse Beschäftigung mit der Zukunft bzw. Langfristplanung nicht vor und wir haben darüber ja in den bisherigen Sitzungen des Wiesbadner Zukunftsdialogs ausführlich gehandelt. ... Dass wir modern sind und im Zeitgeist schwimmen möge folgendes belegen: Die 2004er Umfrage der „Perspektive-Deutschland“ Initiative, einer Gemeinschaftsinitiative von McKinsey, STERN, ZDF und AOL unter der Schirmherrschaft von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, notierte die freiwilligen Meinungsäußerungen von rund 450 000 BürgerInnen zu Schwächen und Stärken ihrer jeweiligen Regionen. Diese (subjektiven aber objektivierbaren) Meinungen werden mit vorhandenen statistischen Daten abgeglichen und die Ergebnisse im Frühjahr 2005 veröffentlicht. Diese verstehen sich als Vorschläge zu konstruktiven Handlungsansätzen und nicht als Kritik oder Klage über bereits bekannte Mißstände. ... Ein weiterer Beweis unserer Modernität wäre die Sonderausgabe von Das Parlament 1/2,2005 zum Thema „Zukunft der Kommunen“ PRÄAMBEL 2 Alle guten Vorträge beginnen mit Geschichten. Da auch ich einen guten halten möchte, erzähle ich sogar zwei bzw. erzähle zwei FAZ Artikel nach: a. Gerold Dieke, der Darmstädter Regierungspräsident, entwarf in der FAZ vom 14. Januar 05 folgendes Szenario für die Rhein-Main-Region bis 2020: zu Beginn unseres Jahrhunderts/Jahrtausends verschwand unsere Region von ihrem traditionellen Plätzen fünf bis sieben in der Liste der bedeutendsten europäischen Regionen; sie war einfach nicht mehr „Spitze“. Dann erkennten viele ihrer Bewohner/Bürger a. die Abhängigkeit persönlicher Entwicklung vom Schicksal der Region. b. Wurde das kurzfristig orientierte, eigennützig rationale Verhalten von Lokalpolitikern mit der Verweigerung großräumiger Zusammenarbeit zunehmend gegeißelt. c. Aus regionalpolitischer Sicht prioritäre, strategisch wichtige Investitionen wurden endlich realisiert und auch im infrastrukturellen Bereich ging vieles schneller, nachdem die großen Schlachten geschlagen waren. d. Und auch von privater Seite wurden große finanzielle Mittel bereitgestellt. Entwicklungsfonds entstanden, Stiftungen wurden zu diesem Zweck gegründet, dadurch Entscheidungsträger zusammengeführt, begeistert und eingebunden. Fazit 2020: Unser Abstieg hatte abgewendet werden können. e. In der FAZ (Rhein-Main Beilage) persiflierte Albert Speer am 5. Januar 2005 die Zukunft des ganzen Rhein-Main-Gebiets in einer Glosse nach dem Muster Bellamy’s: Jacob Hesselbach wacht 2020 nach 15-jährigem Schlaf wieder auf und erkundigt sich nach der Situation bzw. den Veränderungen ... seine Schlußfolgerungen sind eher pessimistisch, weswegen ich sie hier nicht ausführe ! Vorwort Frage: Kann man unsere (Nah-)Region beschreiben? Ja und nein! Auch wenn das Westliche Rhein-Main Gebiet, welches wir mal mit den Städten Alzey bis Limburg und Bingen bis Rüsselsheim - Groß-Gerau umreißen, wahrscheinlich klassisch nicht zum Frankfurter Speckgürtel gezählt wird, ist es doch Teil der wohlhabenden Frankfurter Peripherie und lässt sich, grosso modo, wie folgt skizzieren: Wie in jeder Landeshauptstadt sitzt sowohl hier wie in Mainz eine Landesregierung. Um uns zunächst auf Wiesbaden zu beschränken: Die vielen Mitarbeiter der Landesregierung, die durch die zweier großer Bundesbehörden, des BKA und des Statistische Bundesamt, ergänzt werden, geben Wiesbaden, zumindest teilweise, den Charakter einer Beamtenstadt. Dieser wird durch mehrere weitere Eigenschaften zur spezifischen Wiesbadener Eigenheit: Heilquellen, Bäder und Wellness-Industrien sowie die einmaligen Landschaften des Taunus und des Rheingaus mit seiner touristisch-gastlichen Weinindustrie. Und nicht zuletzt auch wegen seines Casinos und einem einmalig großen Villengebiet – dem Gesamtkunstwerk des Klassizismus und Historismus - ist Wiesbaden eine der beliebtesten deutschen Städte für Tagungen (aber vielleicht eben nicht unbedingt „Arbeitsstätte“). Die Region ist wohlhabend und verkehrsmäßig gut angebunden (Autobahnen, Hafen Mainz, und Flughafen Frankfurt sowie jede Menge ICEs); ihr öffentlicher Nahverkehr ist dagegen ein uralt-ungelöstes Problem ... die Wiesbadener Innenstadt ist nicht angeschlossen und hat sich, auch mit deswegen, nie eigentlich zu einer Einkaufsstadt entwickelte (das Projekt einer S-Bahn Rings durch die Wiesbadener Innenstadt mit Anschluss nach Niedernhausen) ... und auch die Zukunft des Flughafens Erbenheim ist außergewöhnlich schwierig zu erörtern. Im Bereich Wissenschaft und technologische Entwicklung bzw. Innovation und Kreativität lässt sich nicht mehr nur allein Wiesbaden und seine enge (hessische) Umgebung betrachten, sondern man muss zumindest über die Rheinbrücken, um nicht ganz negativ aufzufallen: hat Wiesbaden die Fachhochschule, die Verwaltungshochschule sowie die European Business School im Rheingau, so hat Mainz eine große Universität sowie eine Fachhochschule ... beide zusammen haben zwar auch einige Groß-Konzerne wie R&V, Miele oder Schott, etc., doch zusammengenommen strotzt die Region nicht gerade von High-Tech und Fortschritts- Technologien oder entsprechenden Brutstätten ... auch wenn in Geisenheim ein wehrtechnischer Betrieb sitzt, einige wohlrenommierte Beratungsfirmen in der Region domizilieren und das Land einige auch hier domizilierte Anstrengungen unternommen hat, wie z.B. die Hessen Agentur. Im Bereich Medien sind sowohl das ZDF als auch Unter den Eichen zu nennen; es gibt auch mittelgroße Museen und eine Antiquitätenstrasse und eine ganze Reihe guter Hotels sowie die Überbleibsel der einst hier sehr stark vertretenen Armee der Vereinigten Staaten von Amerika. Begriff von Region Es gibt keinen einheitlichen Regions-Begriff. Da gibt es, zum einen, den kleinteiligen, wie wir ihn hier gebrauchen. Dann z.B. den der Euro-Regionen, die Grenzgebiete verschiedener Länder zusammenfassen und häufig bereits etwas größer als der von uns verwendete Raum ist, z.B. Saar-Lor-Lux. Drittens den, den der „Europäische Rat der Regionen“ gebraucht, und der manchmal durchaus mit deutschen Bundesländern konkurriert (die, siehe Föderalismus-Diskussion, mehrheitlich in der Krise sind), durchaus aber auch mit Begriffen wie der Rhein- Ruhr-Region, dem Rhein-Main-Gebiet oder dem Mittleren Neckar-Raum ... Agglomeration eben. Dieser Regions-Begriff konkurriert außerdem heftig mit dem der Megapole oder Weltstadt, für den man prototypisch London oder Mailand und Paris, durchaus aber auch die Rhein-Ruhr- sowie die Rhein-Main- Region anführen kann und der in der Größenordnung 5-10 Mio. Bewohner liegt. Etwas abgewandelt spricht man auch von den Kapitalen, die in der Weltfinanz (und deren Kommunikation) zu Knotenpunkten geworden sind und zu denen unter den deutschen Städten lediglich Frankfurt zu zählen ist (und wovon die WRMR profitiert, z.B. von ihrer Nähe zum Flughafen oder die regionale Hotels von den Messen). Und schließlich, viertens, gibt es noch den Welt-Regions-Begriff, in dem Europa als Kontinent zu einer der Welt-Regionen schrumpft. Dabei werden allerdings umgekehrt Groß-Kontinente wie Amerika weiter unterteilt, wie z.B. in Nord- und Ibero-Amerika oder Asien in Zentral- und Süd-Ost-Asien, etc. Regionaldiskussion in unserem Raum. Die Regional-Diskussion ist mehrfach geteilt: Hessen einerseits (z.B. mit der neuen Hessen Agentur), Teile Hessens und deren Zusammenarbeit aber ebenso kleinteilig inter-regional wie z.B. Ballungsraum (z.B: Rhein-Main), Eingemeindungen, Landkreise, Nachbarkommunen, Regionalkreis (z.B: die neue Position der Stadt Frankfurt) oder Stadtkreis (die Position von Petra Roth) ebenso wie klassische Diskussionen rein auf den bisherigen Verwaltungsebenen Kommunen, Regierungsbezirken und Land, etc.. Was sie leider nicht ist: weder regional und bundesländer-grenzen-überschreitend 6, also funktional bzw. zielorientiert, noch zukunftsorientiert, was nur innovations- und kreativitäts- bzw. synergieorientiert sowie international/europäisch/global heißen kann. Ein ganz persönlicher Vorschlag wäre z.B. darüber nachzudenken, ob nicht der südmainzer Raum bis Alzey der ideale Standort für einen neuen Großflughafen Rhein-Main wäre, um den langfristig sowieso kein Weg herumführen dürfte. Regionaldiskussion in Europa (der EU) Auf dieser Ebene überwiegen drei Ansätze: Zum einen der Ansatz der so genannte „Lissabon-Strategie“, zum anderen der des europäischen und/oder weltweiten Wettbewerbsfähigkeits-Index und wo sich welche europäische Region darauf warum befindet und zum dritten, wie Zukunftsforschung (spezifischer „Foresight“) für die Entwicklung der europäischen Regionen positiv wirken könne. Während der erste davon ausgeht, dass es möglich sein sollte, Europa zur innovativsten Region der Welt zu machen (also z.B. die USA und Japan nicht nur ein- sondern auch noch zu überholen), aber bislang noch wenig zu seiner Realisierung gemacht (bzw. auch nur vorgelegt) wurde, gefällt sich der zweite darin, Indexe sowohl auf nationaler als auch auf europäischer und Welt- Basis mit all den bekannten Problemen der (Un-)Vergleichbarkeit zu erstellen und vorgibt, daraus Lehren ziehen bzw. Empfehlungen für bessere Performance geben zu können. Im dritten Ansatz, schließlich, geht die EU seit einigen Jahren von der Theorie aus, dass ihre Entwicklung maßgeblich von der Entwicklung der europäischen (wissensbasierten) Kommunen abhängt. Deswegen müsse sie diesen helfen, ihre Potentiale zu erkennen und einzusetzen. Und sie geht weiter davon aus, dass die Kommunen, auf ihre Potentiale und Umsetzungsmaßnahmen gestützt, realistische Visionen oder Szenarien als Visionen für sich entwickeln. Ist unsere Region bereits in der (globalen) Wissensgesellschaft angekommen? Oder: Ist sie zumindest auf dem Weg zu ihr (wo befindet sie sich auf dem Weg des Strukturwandels von der Industrie- zur Wissensgesellschaft)? Um diese Frage beantworten zu können müssten wir viel mehr über unsere Region wissen, bzw. können wir erst über sie wissen, wenn entsprechende Studien stattgefunden haben (Daten vorhanden sind). So benötigen wir z.B.: - Informationen / Daten zu ihrer Internationalisierung, Kooperation mit anderen nationalen Regionen sowie mit Regionen anderer Nationen (EU & anderen); inwieweit wird mit dem EU Ausschuss der Regionen kooperiert? Haben die hessischen Kommunen z.B. ein Büro in Brüssel wie z.B. die Baden-Württemberger? - Informationen / Daten zur Attraktivität von Regionen (z.B. für Wissenschaft und Technologie, bzw. Strukturkapital; s. z.B. die „Indicators“ des Technology Barometers); Kultur; Bevölkerungsentwicklung / Migration, bzw. Humankapital; Wirtschaft und Kapital; Ausländische Forscher und Studenten, bzw. Beziehungskapital; etc.) - Bereitschaft zum (Identitäts-) Wandel, Risikobereitschaft (-s-potentiale). Beispielswiese, ob der Rhein und seine Brücken zwischen Wiesbaden und Mainz als trennend oder verbindend interpretiert wird, bzw. ob die beiden (Haupt)Städte am Fluss nicht zu einer Agglomeration werden können? - Infrastrukturen für die hypermodernen Technologien (insb. auch in Firmen) (z.B. nano – micro, bio – genetic engineering cogno (z.B. Intelligenz, Robotik) info (microelectronics, information and computation sciences energo (z.B. Wasserstoff/Brennstoffzellen) „converging technologies 10), etc. - Evaluationen der Verwaltungs-Modernisierung auf allen Verwaltungs-Ebenen (z.B. kommunales e-Government) - Zivilgesellschafts-Daten wie z.B. Wie viele Vereine, Vereinigungen, etc. je 1000 Einw. wären zivilgesellschaftlich optimal? 80 bis 100? - Kreativität – Innovation ... sowie Wissens- und Könnenspotentiale - Raumpotential (Freiflächen mit Verkehrsanbindung, Strom, Wasser, Müllentsorgung, etc.) Exkurs: Was könnten wir vom Vergleich Silicon Valley – Route 128 für unsere Region lernen? Ja, sogar sehr! Annalee Saxenian konnte in ihrem Buch „Regional Advantage – Culture and Competition in Silicon Valley and Route 128“ zeigen, dass das Silicon Valley den Wettbewerb mit der Route 128 deswegen für sich entscheiden konnte, weil es nicht, wie die Route 128, auf Hierarchien (weder innerbetrieblichen noch intraregionalen) sondern auf Offenheit und Kommunikation aufbaute. Und diese Offenheit bezog und bezieht such auch auf die Kommunikation zwischen Mitarbeitern konkurrierender Unternehmen. Noch Mal: die Regionenfrage: Natürlich kommt man um eine geographische Gebietsfestlegung nicht herum. Aber wir plädieren hier nicht deswegen für ein bestimmtes Gebiet, weil uns Gebietskörperschaften oder Raumplanerisches interessiert, sondern weil man eben einfach mal von einem Raum ausgehen muss, wenn man Potentiale erheben und danach Leitbilder/Visionen/Szenarien festlegen will. Fragen zum Vorgehen, bis wir mit der Studie beginnen zu können 1. Hintergrund und Umfang Welche Zielsetzungen soll eine Studie in unserer Region verfolgen? Welche Rolle spielen regionale Akteure im Zusammenhang mit diesen Herausforderungen? Wie wählen wir die Schwerpunkte für unsere Studie? Unterschiede unserer Studie zu bisherigen (klassischen) Maßnahmen und/oder Programmen? Welche Art von Themen und/oder Sektoren soll unsere Studie abdecken? Welcher Zeitrahmen wäre geeignet? Wer soll an der Studie mitarbeiten? Wie lange würde die Erstellung der Studie dauern und was würde sie kosten? Wie kommen wir zu den nötigen Mitteln und wer müsste sich wie lange engagieren? Etwa aus dem BMBF Forschungsverbund „Stadt 2030“? 2. Dynamik Wie lässt sich feststellen, wer mitmachen sollte? Welche Argumente können wir diejenigen, die wir brauchen, überzeugen, mitzumachen? Wie können wir die Studie in einem größeren Rahmen bekannt machen? Wann und wie sollen einzelne Akteure konsultiert werden? 3. Struktur und Organisation Wie sollen wir die Studie organisieren? (z.B. als Stiftung mit einem Think Tank, als Perspektivenwerkstatt oder als „Kompetenzzentrum in eigener Sache“ ) Wer sind die Akteure und worin bestehen ihre Aufgaben? Enthält die Studie Eckpunkte, die eine Überwachung der Entwicklung gestatten? Welche Inputs brauchen wir? Wie können wir vorhandenes zukunftsforscherisches Wissen für die Studie nützen? 4. Ergebnisse und Folgewirkungen Welche Leistungen und Ergebnisse dürfen wir von der Studie erwarten, welchen Nutzen? Weshalb sollen Studien evaluiert werden? Wie kann man Evaluationen bereits zu Beginn in die Studienplanung einbauen? Welchen Nutzen kann die Region von der Studie haben? Kann eine Studie den Erwartungen tatsächlich entsprechen? Wie können solche Studien zu einer kontinuierlichen Tätigkeit in unserer Region werden |
|||





