Rotkäppchen 2069
ein literarischer comicstrip über sex und andere perversionen
Author:Richard K. Breuer
Rights sold: German
Genre:Science Fiction 
Number of pages:324 
Edition:
Editor:Richard K. Breuer
Series: 
ISBN:978-3-9502498-0-4 
ISSN: 
Publishing company:Richard K. Breuer, Wien 
The year of publishing:2008 
Origin Country:Austria 

Author and his oeuvre

Summary

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KAPITEL: Das Laboratorium des Prof. Storm

Dr. Kravitz, ein kleiner, nervös wirkender Herr in mittlerem Alter öffnet die Türe. Seine Hornbrille rutscht immer wieder über die eckige Nase, nur begleitet vom neurotischen Blinzeln seiner schmalen Augen. Er gibt die Türe frei, blickt auf die Uhr.

KRAVITZ »Also, also ... Sie sind spät! Nein, nein, mir macht es nichts aus, aber der Professor hat es nicht so gerne, wenn sich die Bewerber verspäten. Ich bin Kravitz. Freut mich auch. Gehen wir! Ja, den Gang entlang. Wo waren Sie denn so lange? Haben Sie sich verschlafen? Ach, im Verkehr sind Sie stecken geblieben. Hm ... ja, das ist eine verflixt unangenehme Sache ... damals, in Moskau, das war 64, als ich mit Nataschka im Aufzug ... na, ein bisschen Spaß hatte, da passierte es. Zwischen dem 7. und 6. Stockwerk. War das peinlich ... als uns Doktor Schiwago befreien musste. Nataschka wurde später verhaftet ... weil das KGB vermutete, ich hätte einen Peilsender an ihr angebracht. Das wär was gewesen ... glaubten die wirklich, ich könnte einen Satelliten in ihre Vagina schießen? Nein, im Aufzug sind wir nicht stecken geblieben. Hören Sie mir denn überhaupt zu? Na, was schauen Sie denn ... lassen Sie das, greifen Sie nichts an ... rechts halten, ja, da gehen wir noch nicht runter, zuvor möchte Sie der Professor kennen lernen. [räuspert sich]

Die Patienten sind bereits im Labor, mit denen werden wir nicht reden können, die liegen seit fünf Minuten im künstlichen Koma ... wir beobachten das Ganze aus dem Hintergrund, sind sozusagen unsichtbar ... ah, das wäre was für einen Voyeur! Wissen Sie, früher, als ich noch nicht so viel Erfahrung hatte ... sexuell ... da hätt ich meinen linken Arm dafür gegeben. [räuspert sich]

Darf ich fragen, was Ihrem Kopf zugestoßen ist? Nein, die Ankerwinde eines Segelschiffs hat Sie erwischt? Da können Sie Ihrem Schutzengel danken, dass Sie’s überlebt haben. Vor sieben Wochen ist mir die Steuereinheit des Zentralrechners um die Ohren geflogen ... und bis auf die kleine Schramme hier auf der Stirn, sehen Sie, ist mir nichts passiert ... naja, meine genetische Hemmschwelle hat es zerbröselt. So, die Türe noch ... da sind wir.«

Ein großer, heller Raum, südöstlich ausgerichtet, die Fensterfront zeigt das Panorama einer kargen Felslandschaft. Drei Personen sind im Raum. Prof. Storm, ein älterer Herr in einem weißen Arbeitsmantel, bespricht sich gerade mit Sara Potter, die ebenfalls einen weißen, aber kurz geschnittenen Arbeitsmantel trägt. Dr. Sablotznik, hässlich und dick, sitzt an einem Glastisch und tippt mit einem dünnen Stift auf einem mobilen, transparenten Touchscreen (iTab) herum. Ab und zu blinzelt er verstohlen auf Saras Beine. Eine sehr ausladende schwarze Ledercouch steht vor dem Fenster.

KRAVITZ »Ich würde sagen, wir nehmen einmal auf der Couch Platz. Der alte Herr dort im weißen Anzug, das ist Prof. Storm, er hat sich das Ganze überlegt. Ein schlaues Kerlchen. Neurochirurg, Psychologe und Erfinder in einem. Mit seinem Projekt glaubt er, die Menschheit retten zu können. Entweder ist er genial oder völlig durchgeknallt. Warum erinnert mich das nur an diesen alten Film, den ich gestern gesehen habe? Eigentlich war er ziemlich bescheuert ... man muss sich vorstellen, da tritt einer aus der Türe und ... HOPPLA ... fällt ihm ein kleiner Meteorit auf den Schädel. Warum? Da hab ich wohl nicht aufgepasst ... Rosalie hat manchmal die Angewohnheit, ihre Zunge in mein Ohr zu stecken, was sich dann wie feuchtes Oropax anfühlt. [räuspert sich]

Der fette Kerl dort, am Tisch, ist Dr. Sablotznik, unser Software-Guru, der die quantenmechanischen Theorien des Professors umsetzt. Er ist furchtbar abstoßend ... ich vermute, dass er mit King Kong blutsverwandt ist. Und die Schöne im weißen Kittel, das ist Sara, die Assistentin des Professors ... und unsere neurologische Informationsanalytikerin. Blitzgescheit und hochanständig ... zu anständig, wenn Sie mich fragen.«

Storm kommt zur Couch und setzt sich, während Sara und Sablotznik aus dem Zimmer gehen.

STORM »Herzlich willkommen in Quant Valley und unserem Labor. Ich würde Ihnen jetzt gerne meine Assistentin Sara Potter und Dr. Sablotznik vorstellen, aber die beiden müssen die Startvorbereitungen für die virtuelle Reise treffen. Ich habe Ihrer Bewerbung entnommen, dass Sie konventioneller Schriftsteller sind ... ich denke, dass Sie damit die Anforderungen eines ScriptWriters weitestgehend erfüllen. Was wir von Ihnen erwarten, ist die Fähigkeit, sich Scripts, also kleinere Storys, auszudenken und in späterer Folge umzusetzen. Damit Sie eine Idee bekommen, wie ein fertiges Script aussehen kann, lade ich Sie ein, das heutige Experiment mitzuverfolgen. In gut einer Stunde beginnen wir. Die geschäftlichen Details besprechen wir dann später. Bevor ich vergesse, [greift in die Tasche und reicht einen MemoStrip] ... ich gebe Ihnen eine Kopie der Aufzeichnung meines Vortrages, den ich vor drei Monaten an einem New Yorker College gehalten habe. Sehen Sie sich das nur in Ruhe an ... es wird mit Sicherheit viele Ihrer Fragen beantworten. Ich muss jetzt ins Labor und hole Sie dann ab. Einstweilen kann Ihnen Dr. Kravitz einen Überblick über unser Tun vermitteln.«

Storm steht auf und geht aus dem Zimmer.

KRAVITZ »Uh ... die berühmte Storm-Aufzeichnung, ein Live-Mitschnitt aus dem Mädchencollege St. Trinity. Das war das einzige Mal, dass ich den Professor beneidet habe ... er am Rednerpult und vor ihm etwa dreihundert junge, knackige Teenager in Schuluniform. Von wegen schulischer Stress und so. Für mich klingt das nach Paradies! Mein Tipp: Werfen Sie den MemoStrip weg und stellen Sie sich dafür vor den Eingang zum College! Na, Sie scheinen ja ein ganz ein braver zu sein ... zahlt sich nicht aus. Wenn Sie einmal neunzig sind und man Sie in der Gegend herumschiebt, während Ihr Auspuff tropft, dann wissen Sie, was ich meine. Wollen Sie sich das wirklich antun? Der Professor hat nämlich die unangenehme Angewohnheit, die einfachsten Sachen zu verkomplizieren. Vermutlich ein defektes Gen, das der Professor von der mütterlichen Linie geerbt hat, denn wenn er einmal zu seinen gefürchteten Erklärungsrundumschlägen ausholt, dann bleibt kein Auge trocken ... weil die Augenlider schwer wie Blei werden und man innerhalb von Sekunden in die Tiefschlafphase fällt. Damit es nicht so weit kommt, hilft nur ein Mittel: man muss sich den Professor nackt vorstellen. Ah ... kommen wir zu den harten Fakten. Ich versuche Ihnen den technischen Schnickschnack auf unterstem Niveau näher zu bringen ... um das zu verstehen, müssen Sie nicht mal die Dorfschule in Cambridge besucht haben. Sind Sie bereit? Aber vorher hole ich mir ein Glas AlcoPep.«

Kravitz geht in die Küche und kommt wenig später mit einem Glas AlcoPep zurück. Er setzt sich.

KRAVITZ »Eins, zwei, drei und los geht’s. Proband legt sich auf Couch, er fällt in Koma, wir stöpseln ersten Stecker ins Hirn, wir stöpseln zweiten Stecker in Zentralrechner und BUMMS! der Proband träumt, was der Zentralrechner ausspuckt. Wir nennen das eine virtuelle Reise. Alice im binären Wunderland, sozusagen. Ging das zu schnell? Fangen wir vielleicht ganz von vorne an. Es gibt die Wirklichkeit und es gibt die Nicht-Wirklichkeit – das eine ist das Leben, das andere ein Traum, den Sie zum Beispiel gestern Nacht hatten ... können Sie sich noch an Ihren erinnern? Sie träumen immer nur von Zeitschleifen? Waren Sie deshalb schon mal beim PsyDoc? [räuspert sich]

Ich habe gestern von der Farm meines Onkels Matthew geträumt ... dort hab ich als Kind reiten gelernt ... was für Zeiten. Jedenfalls, der Inhalt unserer Träume ist natürlich nicht real gewesen ... wir sprechen von einer Virtuality, im Gegensatz zur Realität. Was hat es jetzt mit der Virtuality, mit der Nicht-Wirklichkeit auf sich? Stellen Sie sich vor, wir wollen ein bisschen Theater spielen ... dann brauchen wir einmal ein Theaterhaus ... so ein klobiger, hässlicher Steinkasten, der einen großen Saal mit vielen Sesseln und eine Bühne hat. Des Weiteren benötigen wir natürlich ein Theaterstück, das sich irgendein Freak ausgedacht hat ... und Schauspieler, die vor einer Kulisse gestört herumspringen und versuchen intelligent zu wirken. Die Bühne muss natürlich für die Geschichte adaptiert werden, also Kulisse hier, Kulisse da, und die Schauspieler müssen wissen, welche Rolle sie zu spielen haben, wann ihr Auftritt und wann ihr Abgang ist. Dafür ist der Regisseur zuständig, der bei uns ScriptWriter heißt. Damit haben wir alles zusammen! Der Proband kommt auf die Bühne, wir stecken ihn in ein Clownkostüm und schon geht die Post ab ... solange er nicht weiß, dass er auf einer Bühne steht, verhält er sich wie im richtigen Leben ... und die Zuschauer, das sind heute wir, die haben einiges zum Lachen. Wir beobachten das Geschehen mit so einer Hightech-Brille ... damit sitzen wir erste Reihe fußfrei. Nach der Vorstellung holen wir den Probanden von der Bühne, und wenn er wieder aufwacht, glaubt er, alles nur geträumt zu haben. Naja, irgendwie hat er das ja auch.«

Kravitz nimmt einen Schluck und stellt das Glas weg.

KRAVITZ »Generell ist das Bewusstsein im Menschen ein misstrauisches Tier. Bemerkt nämlich der Proband, dass er auf einer Bühne steht, bringt er kein vernünftiges Wort mehr heraus und alles wird schlaff ... deshalb müssen wir unbedingt darauf Acht geben, seine Illusion nicht zu zerstören. Wie machen wir das? Entweder besäuft sich der Proband vor einer virtuellen Reise bis zur Besinnungslosigkeit ... ja, vor ein paar Jahren gab es das noch, aber das erzähle ich Ihnen lieber ein anderes Mal ... oder wir drehen ein wenig an den Einstellungen und reduzieren den BewusstseinsFaktor auf etwa 0,25. Das fühlt sich dann wie ein Vollrausch an und der Proband findet es ganz vernünftig, dass ihm eine lila Maus an der Bar einen Drink spendieren möchte. Aber wir dürfen nicht zu viel am Rad drehen ... ist der Faktor geringer als 0,15, übernimmt das zweite Gehirn im Magen das Kommando und der Patient ... Proband führt sich wie ein brünftiger Pavian auf ... das macht keinen Sinn, das können Sie mir glauben ... hab ich alles schon gesehen. Das nächste Problem ist die Erinnerung des Probanden ... der ja weiß, dass er noch vor ein paar Minuten im Labor herumgelegen ist ... ergo, müssen wir ihm ein paar Erinnerungen blockieren und drehen wieder einmal am Rad. Diesmal reduzieren wir sein ErinnerungsVolumen. Jetzt wird’s wohl Zeit für ein kleines Beispiel.

Sagen wir, Sie wurden von uns angestöpselt und wachen neben Miss Universum in einem schnuckeligen Himmelbett auf. Sie wissen nicht mehr, wie Sie in das Bett gekommen sind, was Sie hier überhaupt machen, weil wir Ihr ErinnerungsVolumen verringert haben. Aber Ihre kleine Seele jubelt! Sofort beginnen Sie sich mit Miss Universum zu vergnügen ... oder wollen Sie lieber Mister Universum? Sie legen sich also mächtig ins Zeug, fallen aber dummerweise aus dem Bett und plumpsen auf den Teppich, der zäh wie Honigmasse ist. Das nennen wir eine Anomalie, eine Regelwidrigkeit, die im ›Theaterstück‹ vorkommen kann, weil die ›Kulissenschieber‹ geschlampt haben ... und damit wäre die gute Illusion dahin. Ihrem Unbewussten ist die Sache freilich egal, dem würde es nicht mal auffallen, wenn Sie wie eine gebratene Ente in der Gegend herumfliegen ... aber Ihr Bewusstsein würde sich sofort aktiv schalten und aus wär’s mit dem Traum. Um diesen Mangel in den Griff zu bekommen, reduzieren wir Ihren BewusstseinsFaktor, so dass sich Ihr skeptisches Bewusstsein erst gar nicht aktiviert. Zusammengefasst: Proband legt sich auf Couch, er fällt in Koma, wir stöpseln ersten Stecker ins Hirn, wir stöpseln zweiten Stecker in Zentralrechner, wir drehen am BewusstseinsFaktor, wir drehen am ErinnerungsVolumen und BUMMS!, der Proband steht auf der Bühne, kennt sich zwar nicht aus, spielt aber brav mit, wenn der Vorhang nach oben geht.«

Kravitz leert das Glas.

KRAVITZ »Kommen wir zu Ihrem Job. Der ScriptWriter legt nicht nur die Story, also das Theaterstück fest, sondern erstellt die Kulisse, instruiert die Schauspieler und kümmert sich um die Aufführung, damit sie reibungslos abläuft. In den letzten Jahren haben die Softwarehäuser übrigens begonnen Programme zu designen, die den menschlichen ScriptWriter ersetzen sollten. Ich hoffe, Sie haben mehr auf dem Kasten, als diese programmierten Plagiatidioten ... das Problem ist nämlich, dass man diese Programme mit einer Bibliothek füttern muss ... von selbst läuft da nichts. Man wirft also Bücher, Drehbücher, Filme, Radiospots, Gebrauchsanweisungen und was es sonst noch so gibt, in einen Topf, das Programm rührt kräftig um und quetscht sich eine Geschichte zurecht. Das Script ›Irgendwo‹ von NovoTale war derartig lasch, dass ich nach drei Minuten am Kontrollpult eingeschlafen bin. Der Nachfolger ›Irgendwo im Nirgendwo‹ soll kaum besser sein ... trotzdem hat der Professor dafür tief in die Tasche gegriffen ... der NovoSoft-Vertreter hatte gute Argumente, das beste war wohl Körbchengröße E. Ja, so werden heutzutage Geschäfte gemacht ... Sex sells. Hab ich was vergessen? In der Virtuality können die Leute nicht zu Schaden kommen ... die einzige Gefahr liegt vielleicht darin, dass der Vorhang nicht nach unten geht, und damit würde das Theaterstück ewig weitergehen ... deshalb gibt es Bühnenausgänge oder, falls diese aus irgendwelchen Gründen geschlossen sein sollten, Notausgänge, so genannte Exits ... wie in einem richtigen Theater ... ah, der Professor!«


KAPITEL: Jakobsweg #13

Die vier gehen mit Claudius durch die Schank und in den Verbindungsgang, der in die Höhle führt. Beißende Schwefel und Ammoniakdämpfe machen das Atmen schwer. Einige hundert Meter tiefer stehen sie plötzlich vor einem großen Tor. Sie klopfen. Eine Seitentüre wird geöffnet und ein kleines, rotes Teufelchen, gerade mal einen Meter groß, langer Schwanz, zwei kleine Hörner am Kopf und mit einem Dreizack in der Hand, tritt heraus. Aus der Türe dringt das Lied »Devil in (pretty) disguise«.

TEUFELCHEN »Ja, was ist denn?«

WOLF »Hast du einen weißen Drachen gesehen?«

TEUFELCHEN »Weißer Drache? Mann, du bist in der Hölle und nicht auf Mittelerde. [fuchtelt mit dem Dreizack] Dafür, dass ihr an die Höllenpforte geklopft habt, müsst ihr eine Seele geben. Also, her damit, aber dalli!«

Alle sehen sich an. Wolf nimmt Alanis und reicht sie dem Teufelchen, der einen Schritt zurückweicht.

TEUFELCHEN »Nein, nein, bedaure, einen Papagei nehmen wir nicht. Der scheißt uns alles voll und keiner will putzen ... bei den Temperaturen da drinnen ist das ja verständlich. [geht zu Claudius] Was ist mit dem Kohlenschaufler?«

CLAUDIUS »Ich bin Rauchfangkehrer!«

TEUFELCHEN »Ach, ist nicht wahr? Du kommst wie gerufen. Uns ist da was in den Kamin gefallen und das Zeug will nicht raus und keiner kennt sich aus. Ich schlag dir einen Deal vor, den du nicht ablehnen kannst. Wenn du das Problem löst, machen wir dich zum Oberheizer, das heißt, Kost und Logis gratis, eine Villa im Ätna und ein Teufelsweib pro Tag. Außerdem habe ich eine VHP-Karte für das Wiederholungskonzert von Elvis im Hells Theatre. Was meinst du?«

*

Die vier kommen wieder zur Blockhütte und klopfen an die Türe. Rosamunde öffnet, fragt nach dem wahren Namen des Drachens, den Perse nennt.

ROSAMUNDE »Gut gemacht! Damit habt ihr euch eine literarische Belohnung verdient.«

Sie greift in eine Tasche, reicht Wolf ein dünnes Büchlein (»Der Weg des dummen Jakobs in elf Minuten«) und klopft mit ihrem Rüssel jedem auf die Schulter.

ROSAMUNDE »Ich werde Paolo anrufen und ihm sagen, dass ihr kommt. Ihr findet ihn am Jakobsweg 13 ... das ist nur ein paar Meter weiter, auf der linken Seite.«

ROB »Und was ist zwischen 2 und 13?«

ROSAMUNDE »Hm ... ich glaube Frankreich und Spanien. So genau weiß ich das aber auch nicht. Gehabt euch wohl.«

Rosamunde trottet zu ihrer Blockhütte. Die vier besehen sich das Büchlein, blättern es kurz durch, dann machen sie sich auf den Weg und erreichen nach wenigen Schritten ihr Ziel: eine heruntergekommene Wellblechhütte, die auf einem kleinen Hügel steht. Sie gehen hinauf und klopfen an die Türe. Ein Mann mit grauem Haar und freundlichen Augen öffnet. Er mustert die vier. Dann streckt er seine Hand nach vor.

PAOLO »Also gut, gebt her, ich schreibe euch eine Widmung hinein. [nichts geschieht] Ihr müsst mir eure Bücher geben, sonst kann Onkel Paolo euch keine Widmung hineinschreiben. Versteht ihr mich?«

Wolf nimmt das Buch, sieht auf den Umschlag.

WOLF »... onze minutos?

PAOLO »Ja, onze minutos, das hast du brav gelesen.«

Paolo nimmt das Buch und beginnt etwas hineinzukritzeln. Dann gibt er es Wolf zurück und schließt die Türe. Die vier sehen sich an. Wolf klopft. Paolo öffnet.

PAOLO »Gefällt dir die Widmung nicht? [nimmt ihm das Buch aus der Hand] Also gut, was soll ich schreiben?«

WOLF »Kennst du B?«

PAOLO »Kennst du B? Ziemlich eigenartige Widmung. Aber bitte sehr, wenn du darauf bestehst.«

Paolo schreibt ins Buch, gibt es Wolf zurück und schließt die Türe. Wolf klopft. Paolo öffnet die Türe.

PAOLO »Was denn noch? Ihr seid ganz schön unverschämt, wisst ihr das? Also gut, [holt drei Bücher hervor] da hat jeder eines. Und eine nette Widmung von Onkel Paolo steht bereits drin. Jetzt ist aber Schluss.«

Die Türe wird geschlossen. Die drei blättern in den Büchern. Sehen sich an. Wolf klopft. Paolo öffnet.

PAOLO »Ihr seid lästig, wisst ihr das? Ich muss doch noch an den vielen Fortsetzungen schreiben, aber wenn ihr mich andauernd stört, dann ... dann wird das nichts. Also gut, ihr könnt hinters Haus gehen, da gibt es einen tollen Spielplatz, der heißt ›Rio‹ ... da könnt ihr euch austoben. Aber macht mir den Rasen nicht schmutzig!«

Wolf nimmt Paolo am Kragen und zieht ihn zu sich.

WOLF »Bist du gegen einen Pfosten geknallt? Der rosa Elefant hat uns geschickt!«

PAOLO »Ah, ihr seid das. Ein kleiner Irrtum ... kommt nur rein, fühlt euch wie zu Hause ... ich bin Paolo.«

Wolf lässt Paolo los. Sie werden von ihm in einen großen Salon geführt. Paolo bittet sie auf der langen Couch Platz zu nehmen. Dann setzt er sich auf einen Fauteuil, der vor der Couch steht, und lächelt.

PAOLO »Ihr habt also die zwei Prüfungen bestanden. Wer hätte das gedacht. Ich erwarte meine Eltern zum Essen ... komischerweise haben sie sich verspätet und meine neue Verlobte wird gerade zur Miss Brasilia gekrönt und kann deshalb nicht zugegen sein, was mir äußerst unangenehm ist, denn ich habe meiner Mutter versprochen, dass ich sie heute vorführe ... ah, vorstelle. Deshalb würde ich eine der beiden Damen bitten, mir aus der Patsche zu helfen. Würdet ihr das tun?«