Schwarzkopf
Eine absurde Krimicomedy über Hollywood und andere Grauslichkeiten
Author:Richard K. Breuer
Rights sold: German
Genre:Detective Story 
Number of pages:304 
Edition:
Editor:Richard K. Breuer
Series: 
ISBN:978-3-9502498-6-6  
ISSN: 
Publishing company:Richard K. Breuer, Wien 
The year of publishing:2009 
Origin Country:Austria 

Author and his oeuvre

Summary

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KAPITEL: Love in the afternoon

Das Polizeiauto, mit Blaulicht und Sirene, quietscht sich vor dem Riesenrad ein. Kohlweg steigt aus dem Auto und geht zu Ernesto, der ihm das kaputte Mobiltelefon von Schwarzkopf reicht. Kohlweg nimmt es vorsichtig in die Hand und untersucht es eingehend.

KOHLWEG »Und das ist das Telefon vom Schwarzkopf?«

Ein Teil fällt zu Boden. Beide sehen nach unten.

ERNESTO »Yah, das ist sein Mobile.«

KOHLWEG »Wirklich verdächtig. Dann schauen wir mal nach dem Rechten.«

Kohlweg und Ernesto stellen sich zur Einstiegsstelle und warten auf die Gondel mit Laura und Schwarzkopf.

KOHLWEG »Warum haben Sie eigentlich nix g’sagt, in der Wohnung, dass eine Leiche im Badezimmer liegt?«

ERNESTO »Ah, das waren die Schizos.«

KOHLWEG »Vom Oberprimar, net? Ja, da kann man schon mal einen Aussetzer haben.«

Kohlweg öffnet die Türe zur Gondel und steigt mit Ernesto ein. Schwarzkopf und Laura kleiden sich gerade an. Die vier sehen sich verlegen an, während sich die Gondel langsam in Bewegung setzt.

SCHWARZKOPF »Steigen wir nicht aus?«

KOHLWEG »Wir fahren noch eine Runde.«

LAURA »Glauben Sie, ich würd Ihnen etwas erzählen?«

KOHLWEG »Ich wollt nur mal mit dem Riesenradl fahr’n. Das letzte Mal war des in meiner Kindheit. Ja, die Zeit vergeht. Könnt man direkt sentimental werden, net?«

ERNESTO »Dagegen helfen die kleinen Wunderpillen!«

KOHLWEG »A wirklich?«

ERNESTO »Yah, Mann!«

Ernesto wirft sich eine Pille ein. Kohlweg stellt sich zum Fenster und blickt hinaus.

KOHLWEG »Geniale Aussicht, net?«

SCHWARZKOPF »Vom Panorama habe ich nicht viel gesehen.«

KOHLWEG »A ja. Ihr wart’s ja in der Horizontalen.«

Kohlweg dreht sich wieder um und holt seinen Notizblock hervor.

KOHLWEG »Dass der Franzos tot ist, hat sich in der Gondel schon herumgesprochen, net? blättert Der Ali Mustafa hat übrigens den Mörder g’sehen. Was sagt’s ihr jetzt?«

Schwarzkopf und Laura sind überrascht.

ERNESTO kauend »Wer ist Ali Mustafa?«

KOHLWEG zu Ernesto »Die Schizos wirken, wie ich seh.«

SCHWARZKOPF »Ist es Schortz gewesen?«

KOHLWEG blättert »Das konnte er uns leider nimma verraten.«

SCHWARZKOPF »Der Ali Mustafa ist tot?«

KOHLWEG blättert »Im Keller ist er g’funden worden. Von oben bis unten aufg’schlitzt, und die Gedärme fein säuberlich daneben. Wie beim Franzos’. Die Spurensicherung ist der Meinung, es war ein und der selbe Fleischhauer … also Täter. Was sagt uns das?«

ERNESTO blass »Mir stößt die Wurst auf. Ich brauch eine Tüte …«

SCHWARZKOPF zu Ernesto »Mach das Fenster auf! zu Kohlweg Was sagt uns das?«

KOHLWEG »Das hab ich grad g’fragt, oder?«

LAURA »Haben Sie den Schortz schon befragt?«

KOHLWEG »Richtig. blättert Der gute Schortz hat kein Alibi. Leider auch kein Motiv. Umgekehrt wär’s mir lieber g’wesen.«

SCHWARZKOPF »Also kein Motiv und kein Alibi?«

KOHLWEG grübelt »Is a blöd, net?«

SCHWARZKOPF »Vielleicht hatte Schortz doch ein Motiv.«

KOHLWEG »Aha! Ich höre?«

Schwarzkopf deutet dezent auf Laura. Kohlweg sieht fragend zu ihr.

LAURA »Was Ihnen Herr Schwarzkopf sagen möchte, ist, dass … dass ich mit dem Schortz und dem François Sex hatte.«

KOHLWEG »Mit beiden? Ach so, wir leben ja in einer liberalen Welt. Also mit beiden, natürlich. Verstehe. Damit ist alles klar. notiert Mord aus Leidenschaft. blickt auf Und mit dem Ali Mustafa waren Sie auch im Bett? Oder wo man es halt so macht.«

LAURA »Mit dem Ali? Wenn Sie mich jetzt so schnell fragen … ich komme da manchmal durcheinander. Ich erinnere mich, dass uns der Schortz erwischt hat, als ich dem Ali in die Hose fasste. Vor etwa zwei Tagen war das, im Stiegenhaus. Glauben Sie, dass der Schortz deshalb …«

KOHLWEG »Sehr umtriebig, Frau Hinz, sehr umtriebig. notiert Möglicher Tathergang: Schortz tötet in rasender Eifersucht zwei seiner Nebenbuhler, den Franzosen und den Türken. Der Fall ist damit abg’schlossen, oder? Jetzt müssen wir nur noch dem Schortz ein Geständnis rauspressen und dann können wir alle wieder gut schlafen. Zuvor müssen wir ihn natürlich finden.«

SCHWARZKOPF »Schortz läuft noch frei herum?«

KOHLWEG »Bis jetzt hat er ja kein Motiv g’habt. Aber den find’ma schon. zu Laura Jetzt bringen wir Sie mit Blaulicht und Trompeten vors Theater! Ist ja schon spät, net? Übrigens, hab ich erzählt, dass man dem Franzos’ ein Aug ausg’stochen hat? Mit einem Kreuzschraubenzieher! Auf dem waren übrigens die Fingerabdrücke vom Schortz drauf. Schaut mir danach aus, als würd der Schortz einen Hang fürs Grausliche haben. Ist net schlecht, oder?«

SCHWARZKOPF »Was soll daran gut sein?«

KOHLWEG »Na, zum Verfilmen. Die Leut haben’s gern, wenn’s ein bisserl grauslich wird. Da fällt mir ein, meine Frau kocht mir heut’ meine Leibspeis’: Hirn mit Ei. Ist eine Delikatess! zu Ernesto Geht’s Ihnen net gut?«

Kohlweg steckt zufrieden den Notizblock ein und Ernesto übergibt sich hinter der Pappfigur.


KAPITEL: PSYCHO

Schwarzkopf liegt neben Laura im Bett. Sie sind nackt und sehr entspannt. Laura dreht ihren Kopf zu ihm.

LAURA zärtlich »Könnte es nicht immer so sein, Harry?«

SCHWARZKOPF »Mit Handschellen?«

LAURA »Ach, Harry. Was würde ich nicht alles für dich machen? blickt tief in seine Augen Ich sage es jetzt frei heraus: ich liebe dich und will mit dir nach Los Angeles gehen.«

SCHWARZKOPF »Sonst noch etwas?«

LAURA »Heiraten können wir in Las Vegas. Da gibt es eine herzige Kapelle. Ich habe mich bereits erkundigt.«

SCHWARZKOPF »Ich hab den Flyer am Eiskasten gesehen.«

LAURA »Was sagst du, Harry? Wir zwei hätten schon immer zusammengehört und man soll nicht trennen, was zusammengehört.«

SCHWARZKOPF »Weißt du eigentlich, dass ich heute bereits zurückfliege?«

LAURA »Ich habe schon gepackt. Wir können sofort zum Flughafen, wenn du magst.«

SCHWARZKOPF »Du bist eine Frau von schnellen Entschlüssen, wie?«

LAURA »Ich habe einmal gezögert. Ein zweites Mal wird mir das nicht passieren, Harry. Liebe mich!«

Sie legt sich auf ihn.

SCHWARZKOPF »Laura … glaubst du, das hätte mit uns beiden eine Zukunft?«

LAURA »Warum denn nicht?«

SCHWARZKOPF »Ich hab seit zwei Jahren nichts mehr geschrieben, kein Filmprojekt auf die Beine gestellt. Das hier in Wien wäre eine große Chance gewesen, aber es ist mir irgendwie … entglitten.«

LAURA »Ach, Harry, du bist reich! Und ich werde endlich ein Filmstar. Ich will später einmal so einen Stern auf dem Hollywood-Boulevard. Das willst du doch auch, Harry, oder?«

SCHWARZKOPF »Was ich will, ist ein Oscar, verdammt noch mal!«

LAURA »Und wenn schon, Harry. Hauptsache wir haben uns gefunden …«

Das Mobiltelefon von Schwarzkopf läutet.

LAURA »Du hast es nicht abgestellt?«

SCHWARZKOPF »Ich erwarte einen Anruf von Bronkowitz. Ich muss ihm einiges erklären.«

LAURA »Wenn du da jetzt dran gehst, dann …«

SCHWARZKOPF »Sorry, Laura.«

Schwarzkopf löst sich von Laura, rollt sich vom Bett und sucht sein Mobiltelefon.

LAURA »Na warte, Mister Schwarzkopf! Wir sind geschiedene Leute!«

Schwarzkopf sieht Laura, wie sie aus dem Bett steigt, zu ihrem Schminktisch geht, mit ihren gefesselten Händen eine Lade öffnet und herumsucht. Schwarzkopf quittiert es mit einem Kopfschütteln, geht mit dem läutenden Telefon ins Badezimmer, schließt die Türe und wirft erst jetzt einen Blick auf das Display.

SCHWARZKOPF ins Telefon »Ernesto? seufzt Ja, was störst du mich? Ist es wichtig? Was sagst du da? Pause Hast du was eingeworfen? leise Und wenn schon, Laura hat noch immer die Handschellen um. Was soll sie da machen? Mich beißen? Ja, ich passe auf.«

Schwarzkopf klappt das Telefon zu und beginnt kurz nachzudenken. Er bückt sich und sieht durch das Schlüsselloch. Keine Laura. Er dreht sich nachdenklich um und sieht die Polizeimarkierungen im Badezimmer. Der Duschvorhang weist noch eingetrocknete Blutspritzer auf. Schwarzkopf dreht sich wieder zur Türe, beugt sich nach unten und wirft erneut einen Blick durch das Schlüsselloch. Er sieht die Pupille von Laura.

LAURA »Ich weiß, dass du da drin bist, Harry.«

SCHWARZKOPF »Wo soll ich sonst sein, Laura. Stimmt was nicht?«

LAURA zärtlich »Wann kommst du? Ich warte schon so sehnsüchtig auf dich, Harry.«

SCHWARZKOPF »Und warum siehst du dann durch das Schlüsselloch?«

LAURA »Tust du doch auch.«

SCHWARZKOPF »Ich …wollte dich einfach nur sehen, Laura.«

LAURA »Oh, wie lieb von dir, Harry. Ich geb dir noch einmal eine Chance. Vermassel sie nicht, ja?«

Schwarzkopf sieht durch das Schlüsselloch, wie Laura langsam und aufreizend zum Bett zurückgeht. Ihre Hände sind hinter ihrem Rücken noch immer mit Handschellen gefesselt. Das Bett ist zu sehen. Sie räkelt sich und blickt zu ihm.

LAURA zärtlich »Laura hat Sehnsucht nach dir … große unermessliche, unbeschreibliche, tiefe Sehnsucht!«

Schwarzkopf erhebt sich, atmet einmal durch und will die Türe öffnen, als sein Mobiltelefon abermals läutet. Er sieht auf das Display.

LAURA »Wenn du jetzt abhebst, mein Lieber, dann ist es endgültig vorbei mit uns! Dann wirst du sehen, wie sehr eine liebende Frau hassen kann.«

SCHWARZKOPF »Es ist Bronkowitz, Laura.«

LAURA »Ich warne dich, Harry!«

Schwarzkopf überlegt, was er tun soll. Er sieht durch das Schlüsselloch. Laura liegt auf dem Bett. Er richtet sich wieder gerade, klappt das Mobiltelefon auf, und lehnt sich lässig an die Badezimmertüre.

SCHWARZKOPF ins Telefon »Jack, is that you? Yah, it’s me, Harry. Thanx for your call. Anyway …«

Ein Messer wird durch die Türe gerammt. Die Messerspitze verfehlt seinen Kopf nur um Millimeter. Er schielt auf die Spitze.

LAURA »ICH BRING DICH UM!«

Schwarzkopf ist für einen Moment geschockt.

SCHWARZKOPF ins Telefon »Jack … we have a situation here!«

Schwarzkopf klappt das Telefon zu. Er stellt sich einen Schritt zurück, während das Messer wieder herausgezogen wird.

SCHWARZKOPF »Das Telefonat war äußerst kurz, Laura. Kein Grund so auszuflippen!«

Nichts geschieht. Schwarzkopf geht leise an die Türe und horcht. Von Laura ist nichts zu hören. Er geht in die Knie und will durch das Schlüsselloch sehen, da läutet sein Mobiltelefon erneut. Er rollt die Augen, geht in die Höhe und klappt sein Telefon auf.

SCHWARZKOPF leise ins Telefon »Was ist denn, Kohlweg?«

Ein Schraubenzieher wird durch das Schlüsselloch gestochen und fährt mehrmals herum. Schwarzkopf sieht es mit großen Augen.

SCHWARZKOPF leise ins Telefon »Ja, sie dürfte einen zweiten Schlüssel für die Handschellen in der Lade gehabt haben. Danke, dass Sie mich daran erinnern. Beweise? Kommt darauf an, wann Sie kommen. Ich schätze, ich bin bald ein frischer Beweis. Tot, aber ein Beweis. zu sich Irgendwie beruhigend, zu wissen, dass man wenigstens in einer Polizeiakte Geschichte schreibt.«

Ein Messer wird wieder durch die Türe gerammt.

LAURA »Ich bring dich um, du kranker P S Y C H O!«

Schwarzkopf sieht erstaunt zur Tür.

SCHWARZKOPF leise ins Telefon »Haben Sie das gehört? Wann kommen Sie? Noch nicht fertig? Womit? Bratwürstl? Ja, Heinzi ist zu empfehlen. Was raten Sie mir? Ich soll mich tot stellen?«

LAURA »ICH SCHLITZ DICH VON OBEN BIS UNTEN AUF!«

SCHWARZKOPF leise ins Telefon »Laura würde mich sicherlich ausweiden. Kennen Sie den Film ›Shining‹? Schade. Sie könnten mich jetzt sehen, wie ich im Remake mitspiele. Für den Oscar wird es nicht reichen. Andererseits … meine Angst ist nicht gespielt. Und bitte die Discobeleuchtung einschalten. Vielleicht zeigt es ja Wirkung. Wenn nicht bei Laura, dann vielleicht bei mir.«

Schwarzkopf klappt das Mobiltelefon zu.

SCHWARZKOPF »Können wir reden, Laura?«

LAURA ruhig »Was gibt es jetzt noch zu sagen, Harry?«

SCHWARZKOPF »Ich habe es mir überlegt, die Sache mit uns … vielleicht sollten wir nach Los Angeles gehen und neu anfangen. Was meinst du, Laura?«

LAURA misstrauisch »Du spielst doch nur mit mir, Harry?«

SCHWARZKOPF »Ah, nein, ich spiel doch nicht mit dir, Laura.«

LAURA »Nicht? Beweis mir dein Vertrauen und komm aus dem Badezimmer raus.«

SCHWARZKOPF rollt die Augen »Ich soll die Türe aufmachen?«

LAURA »Nichts soll mehr zwischen uns stehen, Harry. Wenn du es ernst meinst, dann kommst du jetzt heraus und nimmst mich in deine Arme.«

SCHWARZKOPF »Hast du noch die Handschellen?«

LAURA misstrauisch »Wofür?«

SCHWARZKOPF »Wenn du sie dir anlegst, komm ich raus.«

LAURA »Du vertraust mir wohl nicht?«

Pause.

LAURA »Also gut, einer von uns beiden muss ja den ersten Schritt machen. Ich leg mir die Handschellen wieder an, Harry.«

SCHWARZKOPF »Aber so, dass ich es durch das Schlüsselloch sehen kann.«

LAURA »Ja, warte … so, jetzt kannst du schauen.«

Schwarzkopf beugt sich nach unten und will durchsehen, da überlegt er es sich anders und hält sein Mobiltelefon davor, um über die Kamera ein Bild zu bekommen. Er geht in die Hocke und sieht auf dem Telefondisplay das Schlafzimmer, aber keine Laura.

LAURA »Siehst du mich?«

SCHWARZKOPF »Nein. Wo bist du?«

LAURA »Hier!«

Laura sticht mit dem Schraubenzieher durch das Schlüsselloch und spießt das Mobiltelefon auf.

SCHWARZKOPF »Das war ein Schraubenzieher, Laura!«

LAURA »Das war dein Telefon, Harry! Sieht nach Patt aus.«

SCHWARZKOPF blickt auf die Uhr »Waffenstillstand?«

LAURA »Du hast ja keine Waffen. Also?«

SCHWARZKOPF sieht sich nervös um »Okay, ich komme raus und dann können wir über alles reden. Ich … ich zieh mir nur schnell einen Bademantel über.«

LAURA »Ich warte im Bett auf dich, mein Schatz.«