| Author: | Jannis Makridakis | ![]() |
| Rights sold: | Greek | |
| Genre: | Novella | |
| Number of pages: | 142 | |
| Edition: | 10000 | |
| Editor: | ||
| Series: | ||
| ISBN: | 978-960-05-1413-1 | |
| ISSN: | ||
| Publishing company: | Estia Verlag, Athen | |
| The year of publishing: | 2009 | |
| Origin Country: | Greece | |
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Summary |
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TEXTPROBE (Seite 9-14 und 112-114) In der Nacht, in der Erzbischof Hieronymus starb, kam Sissi nieder. Sie gebar drei Welpen so groß wie wohlgenährte Mäuse. Vinzent hatte sie seit Tagen im Auge. Er wartete. Die Haselnüsse in der Tasche seiner Mönchskutte waren alle. Er ging im Kloster auf und ab, ein einsamer Mesner, und sie trippelte trächtig, schwer atmend hinter ihm her, dazu bestimmt, ihn auf seinen Gängen zu begleiten, zur Herdstelle, zum Vorhof, zu den nun verwilderten Beeten und der Steinbank mit den Kreuzen. Die Heilige Mutter am Kap war ein kleines Kloster, erbaut im Norden der Insel, weitab vom Dorf und der Inselhauptstadt, am verholzten Hang des dunklen verdorrten Berges und am Rand des senkrecht schwarzen Felsens. Fast wurde es vom Meer umspült. Darunter dehnte sich die entlegene Küste mit den Spuren des alten Kohlebergbaus - halboffenen Mündern erstarrt am Fuße des Fichtenhains. Wie schläfrige Riesenaugen blickten sie auf die Meerenge, die an der gegenüberliegenden Seite auf die kleinasiatische Küste traf. Die befestigten Hänge hielten sich noch immer in ihrem Grün; jene Flecken Erde, die einst von salzverkrusteten Mönchen bearbeitet wurden. Sie hatten den unwirtlichen Berg rundum bis hinunter zum Meer gezähmt. Weinberge, Oliven- und Fruchtbäume, Gärten, Gemüse- und Kräuterbeete hielten sie damals durch Binsen und Schilf vor den Launen der Winde geschützt, die von allen Seiten auf das Kap einfielen. Sie befestigten die Erde Stein auf Stein. Sie errichteten asketische Verschläge zum Unterschlupf gegen die brennende Sonne und die Regen bringenden Winde. Sie bauten Zisternen und höhlten den Stein zu Gräben, um das Wasser, das hier und da Verwerfungen in den Berg riss, zu sammeln und in die Gärten zu leiten. Es waren Einrisse wie frische Wunden, die seit Jahren bluteten und dort, zwischen den zwei Küsten, einen großen blauen See gebildet hatten. Ein Ameisennest war einst das kleine Kloster. Schwarze Schatten huschten vor dem Morgengrauen hinaus, gruben, säten, gossen, lasen Beeren, ernteten, segneten die früh erwachten Bergbauarbeiter, die mit dem Vesperbeutel an der Schulter lustlos zur Küste strömten, um ihre Arbeit in den Galerien aufzunehmen. Den ganzen Tag hallte der Berg von den Schlägen. Die Kutten wühlten an seiner Oberfläche, um das Getreide zum Reifen zu bringen, und der Unrat bohrte wie Insekten immer tiefer in seine Eingeweide, um Kohle zu gewinnen. Und sobald es Nacht wurde, gurteten die Tagelöhner ihre verkohlten Habseligkeiten und stiegen schnellen Schrittes und kargen Wortes hinauf, um schnell in ihr Dorf zu gelangen, sich zu waschen und im Caféhaus ihren Lohn zu vertrinken. Andere wiederum konnten es kaum erwarten, ihr Nachtgeschäft bei der Frau zu verrichten, den vom Tagewerk verbliebenen Rest Lebenskraft wie Tiere grölend zu vergießen, dort, in der warmen Galerie des Lebens. Dann kehrten auch die Mönche zurück, Gott zu preisen und auf dem einsamen Holzlager ihr hageres Haupt zu ruhen - wo im Halbdunkel ihrer Zelle kein Stöhnen, einzig das Brechen des Wassers auf dem Fels zu vernehmen war. Mal Donnern, mal Hallen, es vereinte sich mit dem Murmeln der Psalmen, und zusammen mit den Gerüchen von Weihrauch und Getreide stieg es gen Himmel Gottvater zum Ruhm. Viele Jahre waren seither vergangen. Das Kloster verwaiste. Die alten Väter und auch jene, die nach ihnen kamen, ruhten in Frieden, alle schon unter den Fichten, die neben dem Rosmarin mauergroß über den Wellen ragten. Ihr brackiger Leib wurde eins mit der Sole des schwarzen Berges. Ihre mürben Knochen wurden zu Festen des Klosters. Einzig Vinzent war als einsamer Lichtpunkt auf dem verödeten Fels der Mutter Gottes geblieben. Mit jedem Tag, an dem die Sonne neu aufging, wurde er zum Verweser, zum einzigen Pflüger der Erde und des Glaubens. Seit der Zeit, als er mit jugendlichen Siebzehn das erste Mal scheu in das Kloster und in seinem weißen Gewand barfüßig vor den ehrwürdigen Vater und Abt zur Tonsur trat, gehorchte er jedem Ältesten, war allen der Reihe nach in Ehrfurcht ergeben und geleitete sie, einen nach dem anderen, bei ihrer letzten Fahrt nah am Meer. Nun, da er die Vierzig überschritten hatte, war er ein einsamer Mesner, der ihre Lichter betreute, die allnächtlich zum schwarzen weiten Meer hinaus flackerten; dies war sein letztes Amt am Abend, bevor er das schwere Tor von innen verriegelte und sich in seiner Einsamkeit verschloss. Die Tage und Nächte glichen sich wie ein Tropfen Wasser, sein Leben einem Hahn, der Tag und Nacht tropfte. An jenem Abend aber bemerkte er, bevor er sich hinlegte, die Unruhe seiner kleinen Sissi und begriff, dass diese Nacht anders als die anderen sein würde. Die Hündin zeigte ihm auf ihre Weise, dass die Zeit gekommen war. Auch ihm war erinnerlich, dass es auf das Ende des Monats November zuging, als die Rüden hinter ihr her waren. Tag um Tag zählte er die Zeit. Was hatte er damals nicht alles ausgestanden! Alle Rüden aus dem Dorf hatte es hinaufgezogen, die Witterung führte sie kilometerweit, und einer nach dem anderen rückten sie wie elektrisiert an, dem Urtrieb folgend. Sie hatten das Kloster umzingelt und bellten wie besessen. Des Nachts hatte er Mühe, sie mit Schlichen und Listen aus dem Tor zu sperren, kaum aber schob er morgens den Riegel, schon stürzten sie wie angestochen auf die Hofmauer, geiler denn je. Sie streunten umher mit hängenden triefenden Zungen lechzend. Der eine bestieg sie, der andere leckte sie von unten, ein anderer half dem ersten, und dann lösten sie sich ab. Der Mönch sah dies und bekreuzigte sich erregt. Welch Sünden in deinem Hort, Heilige Mutter. Da waren auch welche Hochbeinige, vor denen sie gerade mal ein Zwerg war, die streckten ihre pulsierenden blutroten Glieder zweimal so hoch über ihren Leib. Vinzent kehrte vor ihrem Anblick beschämt die Augen, doch linste er verhohlen hinüber, ihn trieb die Neugier. Er stand wie vom Schlag getroffen, mit halboffenem Mund und gewölbter, halb herauslugender Zunge und schaute zu. In sich sprach er wieder und wieder das Gebet. Heiliger Jesus Christus, Sohn und Wort Gottes, erbarme dich des Sündigen. Allerheiligste Gottesmutter errette uns. Zum ersten Mal sah er den Akt der Fortpflanzung. Er hatte vergessen, dass die Neugeburt der Lebewesen Gottes Gesetz war. Lediglich die Hennen im Hühnerstall versuchten jeden Mai, ihn daran zu erinnern, aber er hatte sich an sie gewöhnt. Ihr Eierlegen hielt er für einen Teil der ewigen Ruhe, die hinter der hohen Umfriedung herrschte. Er sah also mit frommem Schauer der Kleinen zu, wie sie tändelte, ihre Flanken auf ihren winzigen Füßchen anmutig schwenkte, ihren Schwanz seitlich anhob, um dem Cavaliere behilflich zu sein, und schlug dabei, Entrüstung mimend, seine Handflächen auf die Kutte. Er schnaubte und blies immerzu Luft aus seinen narbigen Wangen. Schau einer an, woher hast du all dies Getue und Gewese? Und ich hielt dich in meiner Zelle, du sündiges Weib, du Satan, pfiff er aus dem Mund und schlug Kreuze in der Luft, steckte dann die Finger in seinen lichten Bart, kreiste ihn einige Male und rannte zur Kirche, die Kerzen anzuzünden. An der Türe warf er noch einen letzten Blick auf das Gerammel, sich unentwegt bekreuzigend, und glitt leise betend, gebeugt durch die Tür. Dieser Zustand hielt sich einige Tage, bis sich schließlich die Hündin beruhigte, das Fieber sich legte, und die Decker verschwanden. Das Kloster kam zur Ruh. Nun war es aber geschehen. Die kleinwüchsige schwarzweiße Sissi verwandelte sich mit der Zeit zu einer geschwollenen Wamme auf vier kurzen Beinen und trippelte schwerfällig hinter der Kutte ihres Herrn. Sie war das erste Weib, das es innerhalb der Klostermauer so weit gebracht hatte. Nicht mal ganz ein halbes Jahr war sie bei ihm. Markos, ein Bauer, der ihm ab und an bei Arbeiten im Kloster half, hatte sie ihm gebracht. Damit du was zur Gesellschaft hast, Mensch, hatte er damals gesagt. Dem Mönch kam es gelegen, und er behielt sie. Ihm strich natürlich der Gedanke durch den Kopf, dass im Hort der Heiligen Mutter ein Weib nichts zu suchen habe, doch er verscheuchte ihn schnell. Davon abgesehen war die Kommune einst gemischt. Er hatte es selber noch erlebt. Die Älteste Anna ward bald zum hölzernen Kreuz, kurz nach seiner Weihe. Er selbst hatte sie ins Grab gelegt. Das war seine erste. Diener auf Gottesacker wurde er seither. (Seite 112-114) Das nagelneue Auto in Meerblau war auf dem ebenen Stück, exakt vor dem Klostertor abgestellt. Vinzent sah es, als er am Bachbett hinaufkam und eilte außer Atem zur Lichtung unterhalb des Fahnenmasts. In diesem Augenblick schritten drei Menschen gebeugt aus dem Tor, der Junge und seine Eltern, die hineingegangen waren, um ihn zu finden und jetzt ungetaner Dinge hinausgingen. Sie blieben stehen, als sie ihn aus den Gärten mit dem Kreuz und den Zweigen in der Hand kommen sahen. Guten Morgen, guten Monatsbeginn, rief ihm die Mutter von weitem entgegen, und sie versammelten sich alle neben das Tor. Wir sind wegen Ihnen gekommen, Pater, sprach die Frau mit erregter Stimme, machte ihr Kreuz und küsste seine Hand, als sie nah genug war. Er grüßte zurück und schlug die nassen Zweige über ihren gebeugten Kopf. Der Junge hat ein neues Auto, und wir dachten Ihren Segen zu holen, dass Sie uns heute segnen, an so einem Tag, zum Monatsersten, sie zeigte auf ihren Sprössling und dann auf das Gefährt. Vater und Sohn standen stumm mit gekreuzten Händen und gebeugten Köpfen. Ihr habt recht getan, erwiderte Vinzent strahlend und legte, ohne viel Federlesens, die kupferne Schale auf die glänzende Haube des Autos. Die Mutter ging um das Gefährt und öffnete alle Türen. Dann stellte sie sich wie ein Pfau neben die Beifahrertür. Aus dem Radio, das vergessen noch lief, kamen Nachrichten. „Ein Metropolit bezichtigte das Umfeld eines anderen Metropoliten und Nachfolgekandidats auf das Amt des Erzbischofs der Erpressung. Der Staatsanwalt wird die Betroffenen zur Zeugenaussage vorladen, um den Fall zu klären.“ Der Mönch schnaubte empört und führte auf einmal seine Hand an seine rechte Kuttentasche. Darauf senkte er zufrieden die Lider. Die Mutter sah mit Unmut zu ihrem Sohn hinüber, der mit einem Satz im Gefährt verschwand und den Schlüssel drehte, das Radio verstummte, dann nahm er wieder seinen Platz neben dem Mönch ein. Der Vater ging drei Schritt zurück, um das ganze Ritual zu überblicken. Ja, ihr seid zum passenden Zeitpunkt gekommen, sagte Vinzent mit reiner Stimme, als setzte er einen abgebrochenen Satz fort, während er seine Stola am Hals glatt strich. Gerade eben habe ich das Land gesegnet, er zeigte in die Ferne. Unser Ältester, Gott hab ihn selig, pflegte diesen Brauch. Er hatte den Namen des Heiligen Christophorus, des Schutzpatrons der Fahrer, und es kamen alle hierher, wenn sie ein Auto kauften, damit er es ihnen segnet, dass sie gesegnet sind. Die Mutter erinnerte sich daran, sie hatte vor vielen Jahren ihren Mann beim Ältesten zum Segenholen vorbeigeschickt und schüttelte zufrieden den Kopf. An ihren Lippen zeichnete sich ein halbes Lächeln, und sie sah abwechselnd zum Mönch und zu ihrem Mann, der alles ausdruckslos beobachtete. Der Sohn war verwirrt. Er sah ehrfürchtig umher, spielte nervös mit seinen ineinander verschränkten Fingern und lächelte verlegen, jedesmal wenn der Blick des Mönchs auf ihn fiel. Vinzent rührte mit dem Kreuz und den Zweigen das Wasser in der Schale, Tropfen fielen auf die Motorhaube, und er begann ein Gebet zu murmeln.... Drumherum strahlte die Natur, und die Sonnenstrahlen spiegelten sich auf den glänzend sauberen Scheiben des Autos... Ein starker Autoduft drang aus den offenen Türen. Die Mutter bekreuzigte sich laufend und sah dabei vor sich aufs Meer. Der Fürbitte des Heiligen Großmärtyrers Christophorus und Schutzpatrons der Fahrer. Amen. Er tunkte das Kreuz und das Bund Rosmarinzweige und Lilienblüten in die Schale und begann einen freudigen Psalm. ... Dabei benetzte er laufend die Fahrkabine des Autos und wiederholte seinen Gesang. |
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